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Dynamik der Ungleichheit im Lebenszyklus

Fachliche Zuordnung Statistik und Ökonometrie
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 430271414
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Debatte über Ungleichheit ist wieder in den öffentlichen Fokus gerückt. Unser Projekt verfolgt eine Forschungsagenda, die aus Lebensverlaufsperspektive die Ursachen von Ungleichheiten und Schwankungen materieller Ressourcen sowie deren Auswirkungen auf Wohlfahrt und Politik untersucht. Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der präzisen Messung von Ungleichheit über den Lebensverlauf unter Beachtung von Risiko und der multidimensionalen Struktur von materiellem Wohlergehen. Ein Strang unserer Forschung konzentriert sich auf die Determinanten von Einkommen und Vermögen zu bestimmten Zeitpunkten im Lebensverlauf. Wir zeigen, dass Unternehmertum, Selbstständigkeit und geerbte Unternehmensanteile starke Prädiktoren für die Zugehörigkeit zum obersten 1 % von Einkommen und Vermögen sind. Die Ergebnisse stützen das Konzept intergenerationeller Unternehmensnachfolge als zentralem Aufstiegsweg. Daraus ergibt sich: Maßnahmen gegen Ungleichheit an der Spitze sollten eher bei Erbschaftsbesteuerung und Kapitalmarktzugang ansetzen als bei allgemeinen Bildungsprogrammen. Ein ergänzender Strang fokussiert auf Dynamiken über den Lebensverlauf. Wir analysieren erstmals Lebenseinkommen nicht nur für durchgehend Erwerbstätige, sondern auch für Personen mit nichtlinearen Erwerbsverläufen – etwa Frauen, Beamte und Selbstständige. Zentrale Einkommensfaktoren finden sich in drei Lebensphasen: Ausgangsbedingungen (z. B. Herkunft), Jugend (z. B. Bildung) und Erwachsenenalter (z. B. Fertilität). Die Ergebnisse zeigen kumulative Effekte früher Vorteile und späterer Entscheidungen. Wir untersuchen auch Familiendynamiken und Umzüge: Männer verzeichnen Einkommenszuwächse, Frauen stagnieren oder verlieren – besonders mit Kindern. Diese „Tied-Mover“-Strafe erklärt einen Teil der geschlechtsspezifischen Einkommenslücke. Weitere Analysen zeigen: Arbeitszeit ist entscheidend. Die zunehmende Ungleichheit zwischen 1993 und 2018 in Deutschland wurde maßgeblich durch Unterschiede in Arbeitszeiten und deren Zusammenhang mit Löhnen getrieben. Hätten Erwerbstätige ihre Wunscharbeitszeiten realisieren können, wäre die Ungleichheit langsamer gestiegen. Besonders betroffen: Geringverdienende und Frauen – oft durch Betreuungspflichten oder geringe Flexibilität eingeschränkt. Ein dritter Strang untersucht das Zusammenspiel von Arbeitsmarkt- und Sparentscheidungen. Lohnvolatilität hemmt Investitionen in risikobehaftete Finanzanlagen. Hochgebildete und risikoaverse Personen reagieren besonders sensibel, was für maßgeschneiderte Angebote zur finanziellen Bildung spricht. Dauerhafte Schocks bei Löhnen und Arbeitszeit beeinflussen das Lebenseinkommen deutlich. Progressive Steuern senken die Ungleichheit in Querschnittsvergleichen, bieten aber nur begrenzten Versicherungsschutz über den Lebensverlauf. Anhand von Krankheitstagen und Krankenhausaufenthalten unterscheiden wir transitorische und persistente Gesundheitsschocks – entscheidend für die Sozialpolitik. Abschließend schlagen wir ein neuen multidimensionalen Rahmen zur Lebensverlaufsmessung von Ungleichheit vor, basierend auf einer dynamischen sozialen Bewertungsfunktion. Der resultierende mehrdimensionale Index ist zeitlich und wohlfahrtstheoretisch interpretierbar und zerlegbar.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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