Konfigurationen europäischer Messen. Händler, Objekte, Wege (ca. 1350-1600)
Mittelalterliche Geschichte
Wirtschafts- und Sozialgeschichte
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Der Niedergang der berühmten Messen in der Champagne und in der Brie an der Wende vom 13. zum 14. Jahrhundert bedeutete keineswegs das Ende dieser periodischen Märkte, auf denen sich Händler trafen, die auf den Groß- oder Fernhandel spezialisiert waren. Im Gegenteil, vom 14. bis zum 17. Jahrhundert entstanden zahlreiche neue Märkte, die von Städten, Herrschenden und Kaufleuten unterstützt wurden. Unter den Hunderten von großen Messen, die in Messekalendern und Kaufmannsbüchern aufgeführt sind, ragten insbesondere diejenigen in Chalon-sur-Saône, Frankfurt am Main und Genf heraus. Lyon war seinerseits über ein Jahrhundert lang Treffpunkt internationaler Kaufleute und Kreditgeber. Im ersten Drittel des 16. Jahrhunderts führte die Trennung von Waren- und Finanzmessen (oder Zahlungsmessen) vor dem Hintergrund der Entstehung von Märkten zur Finanzierung der Staaten zur Gründung der ersten europäischen Börse (Antwerpen, um 1540). Das Hauptziel des Forschungsprojekts bestand darin, die sich ständig wandelnden Konfigurationen der Messen und die Gründe für ihre Entwicklung besser zu verstehen. Die Untersuchung befasste sich mit der Geografie und Chronologie der Messen, mit der Rolle der Obrigkeiten bei der Organisation dieser großen periodischen Märkte, den von Händlern und Transportunternehmen (Fuhrleuten) genutzten Handelswegen zu Wasser und zu Lande sowie dem Integrationsprozess der Waren- und Finanzmärkte. Die Untersuchung stützte sich auf die Auswertung von Archivalien, die hauptsächlich in Deutschland, Frankreich, Italien und der Schweiz aufbewahrt werden: Privilegien, Ratsprotokolle und städtische Beschlüsse, öffentliche oder gewerbliche Rechnungsbücher, Handbücher für Kaufleute, gedruckte Kalender wie auch Chroniken und Bilddokumente. All diese Quellen liefern Informationen zu Zeitpunkten, Orten und Organisation der Messen, aber auch zu den Händlern, den gehandelten Waren und den Reiserouten. Die gesammelten Informationen wurden in eine speziell für das Projekt erstellte, online abrufbare Datenbank eingegeben. Mithilfe dieser Datenbank wird ein neuer Zugang zur Geschichte der Messen möglich. Die Analyse der Daten – Zeitpunkte / Dauer, Orte, Personen, Handlungen und Objekte – ermöglicht es, über Fallstudien zu einem Messeplatz oder einer Handelsfirma hinauszugehen und die Beziehungen zwischen den Akteuren des Messehandels aus einer relationalen Perspektive zu beleuchten. Die großen Messen und Jahrmärkte waren nicht einfach das abstrakte Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage, wie die moderne Wirtschaftswissenschaft den Markt definiert. Sie organisierten Raum und Zeit, bestimmten den Rhythmus des Handels, der städtischen Aktivitäten und im weiteren Sinne auch der europäischen Gesellschaft. Genau dieser raumzeitlichen Perspektive widmete sich das Projekt. Das Projekt ermöglichte eine Neubetrachtung der Geschichte der Messen, wobei die Beziehungen zwischen Städten, Messen und Händlern in den Vordergrund gestellt wurden. Eine Ausstellung präsentierte die Arbeit des deutsch-französischen Forschungsteams im Departementsarchiv in Lyon (03-06/2023) und anschließend im Stadtgeschichtlichen Museum Leipzig (09-10/2023). Zusätzlich haben zwei Projektmitglieder eine Ausstellung in Asti (Norditalien) vorbereitet („Fiere, città, mercanti“: 09-12/2024). Texte und Bilder der ausgestellten Dokumente und Objekte, die Beschreibungen sowie ein Rundgang für junge Besucher können weiterhin auf der deutsch-französischen Website eingesehen werden. Das unerwartet große Interesse, das das Projekt bei Fachleuten aus dem Bereich Messen und Ausstellungen geweckt hat, lässt neue Entwicklungen und Partnerschaften erwarten (Leipziger Buchmesse, Messe Erfurt, FAMA Fachverband Messen und Ausstellungen e.V., UNIMEV, nundinotopia.com).
Link zum Abschlussbericht
https://doi.org/10.22032/dbt.67777
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