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Information zu Familienpolitik, Geschlechterideologien und Normen der Erwerbsarbeit und Kinderbetreuung

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 430968755
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses Projekt untersuchte die Auswirkungen (hypothetischer) familienpolitischer Maßnahmen und der Bereitstellung von Informationen zur Inanspruchnahme solcher Maßnahmen auf soziale Normen hinsichtlich Arbeits- und Kinderbetreuungsarrangements von Familien mit kleinen Kindern in Deutschland. Seit Mitte der 2000er Jahre hat die deutsche Regierung mehrere Reformen in Bezug auf Elternzeit/-geld und Kindertagesbetreuung eingeführt, die zu einem stetigen, wenn auch nur langsamen Anstieg der Arbeitsmarktbeteiligung von Müttern, der Inanspruchnahme von Elternzeit durch Väter und der Nutzung formeller Kinderbetreuung bei kleinen Kindern geführt haben. Diese Tendenzen gingen jedoch auch mit einer zunehmenden sozialen Ungleichheit der Arbeits- und Kinderbetreuungsarrangements einher. Das Projekt erweitert neuere Studien, die zeigen, dass familienpolitische Maßnahmen das Handeln und die Überzeugungen des Einzelnen nicht nur durch die Veränderung wirtschaftlicher Anreize, sondern auch durch die kurzfristige Beeinflussung von Idealen und Normen beeinflussen können. Dieses Projekt untersucht mögliche Mechanismen für einen normativen Wandel in Bezug auf Arbeits- und Kinderbetreuungsideale durch i) neue familienpolitische Informationen, die durch Medienberichte oder politische Kampagnen bereitgestellt werden, und ii) (hypothetische) politische Maßnahmen. Durch die Kombination von sozialer Normtheorie und soziologischen Konzeptualisierungen von Arbeits- und Betreuungsidealen mit Theorien zu politischen Rückkopplungseffekten und sozialpsychologischen Modellen der menschlichen Kognition hat das Projekt einen interdisziplinären theoretischen Rahmen entwickelt, um zu verstehen, wie Familienpolitik mit normativen Überzeugungen hinsichtlich Arbeits- und Betreuungsarrangements zusammenhängt. Die Kombination von Informationsexperimenten mit Vignettenstudien im GESIS-Panel und mit einem faktoriellen Umfrageexperiment im deutschen Familienpanel pairfam in den Jahren 2019/2020 ermöglichte es uns, den Wandel und die Bedingungen sozialer Normen im Zusammenhang mit Betreuungsarrangements und Unterschiede zwischen verschiedenen sozioökonomischen Gruppen zu untersuchen. Der erste Teil des Projekts hat gezeigt, dass kurze evidenzbasierte Informationen über die Folgen der Inanspruchnahme familienpolitischer Maßnahmen normative Urteile über die geschlechtsspezifische Aufteilung von Elternzeit und Arbeitszeiten sowie die Inanspruchnahme von Kinderbetreuung verändern können, wobei die Effekte bei kinderlosen Befragten und bei Frauen teilweise stärker ausfielen. Insgesamt liefern die Informationsexperimente Evidenz dafür, dass wiederholte Verbreitung kurzer, medienberichtsähnlicher Informationen das Potenzial hat, Veränderungen von Normen zu Arbeits- und Betreuungsarrangements in Familien zu beschleunigen. Der zweite Teil des Projektes lieferte Hinweise darauf, dass hypothetische familienpolitische Verbesserungen in Bezug auf Kinderbetreuungsqualität oder Unterstützung von väterlicher Teilzeitarbeit durch den Arbeitgeber ebenfalls die normative Akzeptanz einer geschlechtergerechteren Aufteilung der Arbeitszeit bei Paaren mit kleinen Kindern und - bei Verbesserungen der Kinderbetreuungsqualität - auch die erweiterte Kitanutzung fördern können. Einige dieser Effekte waren bei Befragten mit eher egalitären Geschlechterrolleneinstellungen, mit höherer Bildung und bei Befragten ohne Migrationshintergrund stärker ausgeprägt. Insgesamt unterstreichen die Ergebnisse die Relevanz aktueller politischer Initiativen zur Förderung einer familienfreundlichen Arbeitgeberpolitik und zur Verbesserung der Qualität der Kindertagesbetreuung in Deutschland und auf europäischer Ebene. Allerdings deuten die teilweise stärkeren Effekte für privilegiertere Gruppen darauf hin, dass solche Reformen soziale Ungleichheiten in Arbeits- und Kinderbetreuungsarrangements potenziell eher verstärken als abschwächen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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