Project Details
Projekt Print View

“The Regime of Emotions as Strategy?” An Analysis of Economic Subfields – Emotions, Emotional Capital and Gender in the Late Modern World of Work.

Subject Area Empirical Social Research
Term from 2020 to 2024
Project identifier Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Project number 432006642
 
Final Report Year 2024

Final Report Abstract

Mit dem „emotional turn“ in den 1980er/90er Jahren rückten Emotionen und Gefühle auch in den Fokus der arbeitssoziologischen Forschung. So liegt mittlerweile eine Reihe von Studien vor, die sich mit der Relevanz von Emotionen in Arbeitsorganisationen, spezifischen Berufsfeldern sowie im Bereich der Dienstleistungs- und Interaktionsarbeit befasst hat. Nach wie vor gibt es aber noch Forschungslücken, wenn es um tiefergehende Analysen zur Rolle von Emotionen im Hinblick auf die organisierte Erwerbsarbeit in spätmodernen Arbeitsfeldern geht. Hier setzte das Forschungsprojekt an, dass darauf abzielte, das Für und Wider von Emotionen in der spätmodernen Arbeitswelt aus einer arbeits- und geschlechtersoziologischen Perspektive in den Blick zu nehmen. Analysiert wurde, ob und wie sich im Zuge der Transformation der Arbeitswelt Emotionen in spezifischen ökonomischen Feldern zu Emotionsregimes verdichten und welche Auswirkungen das auf die Arbeits- und Geschlechterverhältnisse hat. Im Zentrum standen dabei vor allem folgende Fragen: Liefern sie den „Zement“ (Simmel) bzw. ‚sozialen Kitt‘, den die als ‚singularisiert‘ beschriebene spätmoderne Arbeitswelt so dringend benötigt, um zu ‚funktionieren‘? Tragen sie zur Vernebelung der ‚harten Seiten‘ (prekäre Beschäftigung, hohe Belastungen durch Crunch-Times usw.) der spätmodernen Arbeitswelt bei? Verstärken die hier zu vermutenden Prozesse einer Neo-Vergemeinschaftung nicht nur die Ablehnung traditioneller Formen der Interessenvertretung, sondern überdecken auch Geschlechterungleichheiten und Diskriminierungen? Um Antworten auf diese und weitere Fragen geben zu können, wurde das vorliegende Projekt durchgeführt. Es handelt sich um eine explorative empirische Studie, die auf qualitativen Methoden der empirischen Sozialforschung basiert. Untersucht wurden Teilfelder der Kreativwirtschaft und Automobilindustrie. Ausgewählt wurde zum einen ein Subfeld, das (noch) eine eher traditionelle bzw. industrielle Prägung aufweist, sich aber durch den wachsenden Bereich der E-Mobility in einem tiefgreifenden Transformationsprozess befindet, zum anderen wurde das Subfeld ‚Gaming‘ untersucht, das bereits als Vorreiterin der spätmodernen Arbeitswelt gilt. Insgesamt zeigte sich, dass sich in den von uns untersuchten Subfeldern der Gaming-Industrie (bzw. Games-Branche) und E-Mobility markante Emotionsregimes herausgebildet haben, die sich als wirkungsmächtig im Hinblick auf die Ausgestaltung der Arbeits- und Geschlechterverhältnisse erwiesen. So konnte z.B. bezogen auf die Games-Branche festgestellt werden, dass das auf Spaß und Freude an der Arbeit sowie Leidenschaft bzw. Passion für Games basierende Emotionsregime, nicht nur für die Generierung von Spielen und die Produktivität von großer Relevanz war, vielmehr trug es auch dazu bei, die Schattenseiten der Arbeit in der Games-Branche (u.a. prekäre Beschäftigungen, Crunch-Times, Geschlechterungleichheiten) zu überdecken. Mit anderen Worten, spätmoderne Emotionsregimes tragen dazu bei, dass die ‚schöne, neue spätmoderne Arbeitswelt‘ funktioniert. Offen bleibt dabei allerdings, ob eine Strategie der Ökonomisierung, die auf eine Vereinnahmung von Emotionen durch ein entsprechendes Emotionsregime setzt, nicht einen zu hohen ‚Preis‘ hat und sich selbst den Boden entzieht; zumindest lassen sich Ambivalenzen und Paradoxien in den untersuchten spätmodernen Arbeitsfeldern erkennen.

Publications

  • Emotionsregimes in der spätmodernen Arbeitswelt – Ein Forschungsvorhaben, in: Berufsbildung, Heft 187, S. 33-35
    Funder, Maria & Hossain, Nina
  • Teilnahme an der Podiumsdiskussion „Arbeits- und Geschlechterverhältnisse: Idealismus, Pragmatismus und Futurismus? Arbeit und Leben in der Frauenund Geschlechterforschung“ im Rahmen der Jahrestagung der Sektion Frauen- und Geschlechterforschung in der DGS
    Nina Hossain
  • “’Team Spirit’ in the Gaming Industry: How Emotions become relevant in Organizations”, Speech at the 10th Midterm Conference of ESA-Research Network 11 “Sociology of Emotions” in Hamburg
    Nina Hossain & Chantal Morgenstern
  • Diversität in der Gaming Industrie: Vielfalt trotz Geschlechterungleichheit?. Diversitäts- und Organisationsforschung, 203-224. Nomos Verlagsgesellschaft mbH & Co. KG.
    Hossain, Nina
  • “Neo-Vergemeinschaftung – Zur Relevanz emotionaler (Schein-)Solidarität in der spätmodernen Arbeitswelt“, Vortrag im Rahmen der Herbsttagung der Sektion Arbeits- und Industriesoziologie „Solidarität und Zusammenhalt in der Arbeitswelt. Aktuelle Herausforderungen und Perspektiven.“
    Nina Hossain & Chantal Morgenstern
  • Care und Diversität in der Gaming Industrie. Wenn Spaß, Leidenschaft und Teamspirit im Spiel sind. ZDfm – Zeitschrift für Diversitätsforschung und -management, 9, 10-23.
    Hossain, Nina & Funder, Maria
  • Neo-Vergemeinschaftung – Zur Relevanz emotionaler (Schein-) Solidarität in der spätmodernen Arbeitswelt, in: AIS-Studien, 17, 1/2024, 70-83
    Hossain, Nina
  • „Gefühlte Gleichheit in der spätmodernen Arbeitswelt: Das Beispiel Gaming Industrie“, Vortrag im Rahmen des Symposiums „Geschlechterungleichheit und ihre Egalitätsmythen: Beharrungskräfte und transformative Entwicklungen in Arbeit und Organisation“ (Marburg, 3.5.2024)
    Nina Hossain
 
 

Additional Information

Textvergrößerung und Kontrastanpassung