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Religiöser Konflikt und Mobilität zwischen Antike und Mittelalter: Byzanz und der weitere Mittelmeerraum, 700-900

Antragsteller Dr. Federico Montinaro
Fachliche Zuordnung Alte Geschichte
Ägyptische und Vorderasiatische Altertumswissenschaften
Islamwissenschaft, Arabistik, Semitistik
Katholische Theologie
Mittelalterliche Geschichte
Förderung Förderung seit 2020
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 432206574
 
Die Forschungsgruppe soll zum ersten Mal ausführlich die Wege untersuchen, auf welchen religiöser Konflikt am Ende der christlichen Antike mit der Bewegung von Menschen und Ideen im weiteren Mittelmeerraum, einschließlich des Nahen Ostens und Osteuropas, verbunden war. Religiöser Konflikt wird hier als durchdringendes und diverses Phänomen auf unterschiedlichen und miteinander verflochtenen Ebenen aufgefasst, die vom Zentrum der Untersuchung, dem "orthodoxen" Christentum unter dem Patriarchat von Konstantinopel, ausgehen: inter- und intrakonfessioneller Streit mit den anderen Patriarchaten, insbesondere Rom und den "Melkiten"; Mission; interreligiöser Kampf zwischen Christentum, Judentum und Islam.Religiöser Konflikt setzte im 8. und 9. Jahrhundert in der Regel eine Reihe von "Mobilitätsereignissen" in Gang oder beschleunigte diese: politische und kirchliche Gesandtschaften innerhalb und außerhalb des „orthodoxen“ Christentums; Produktion, Kopie, Übersetzung und Verbreitung von Texten; freiwillige oder erzwungene Migration von Einzelnen und Gruppen; Intensivierung der Missionstätigkeit und der Ausgrenzung von Heterodoxen und Juden; interne christliche Reflexion und Austausch mit dem Kalifat. All diese "Mobilitätsereignisse" sollten überraschend positive kulturgeschichtlichen Folgen von globaler Bedeutung nach sich ziehen und insbesondere zur Kohäsion mediterraner Gesellschaften am Ende der Antike beitragen.Konkret soll die Forschungsgruppe neben einer übergreifenden Synthese (Gruppenleiter) eine Habilitations- und zwei Promotionsarbeiten zu einigen weniger erforschten Aspekten der Zusammenhänge zwischen religiösem Konflikt und Mobilität im angegebenen Zeitraum sowie die erste kritische Edition und Übersetzung der Akten des letzten, umstrittenen "ökumenischen" Konzils des antiken Christentums (879/80) produzieren. Die Synthese wird u. a. die Ergebnisse der anderen Teiluntersuchungen miteinander verflechten und eine neue Kulturgeschichte des kritischen Übergangs zwischen Antike und Mittelalter im Mittelmeerraum hervorbringen, mit Byzanz im Mittelpunkt. Kulturelle und kirchengeschichtliche Phänomene wie der Bilderstreit, der "frühe byzantinische Humanismus" und das sog. "Photianische Schisma" werden nun nicht mehr als Beginn neuer mittelalterlicher Verhältnisse, sondern als positiver Abschluss breiterer spätantiker religiöser Konflikte betrachtet. Aus dieser Perspektive wird schließlich auch die Dienlichkeit der historiographischen Gliederung zwischen Antike und Mittelalter und des Begriffes "Dunkle Jahrhunderte" auf neuer Basis hinterfragt.
DFG-Verfahren Emmy Noether-Nachwuchsgruppen
 
 

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