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Toleranz und Intoleranz in der arabischen Moderne. Philosophische Perspektiven

Fachliche Zuordnung Praktische Philosophie
Förderung Förderung von 2020 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 433214420
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Zentrum meines Forschungsvorhabens steht eine philosophische Untersuchung der Debatte um Toleranz und Intoleranz in der arabischen Moderne von den 1860er Jahren bis in die 1940er Jahre. Die Phase ab den 1950er Jahren bis in die Gegenwart konnte nur ansatzweise berücksichtigt werden. Intoleranz und Toleranz sind aktuelle, hochbrisante Themen, die nach einer globalen Auseinandersetzung und Lösung verlangen und in der Diskussion der arabischen Moderne – verstanden als unvollendetes Projekt – bereits eine globale Dimension hatten: sie findet in islamisch geprägten Regionen wie Ägypten, Syrien, Tunesien, dem Libanon oder Indien statt, in Nord- und Lateinamerika (libanesische und syrische Diaspora) und im Pariser oder New Yorker Exil. Sie ist öffentlich und wird von unterschiedlichen Autorinnen und Autoren (Philosophinnen und Philosophen, Reformistinnen und Reformisten sowie Literatinnen und Literaten) mit unterschiedlichen religiösen Hintergründen kontrovers geführt. Ist diese globale Dimension freilich eine innerhalb der Werke arabischsprachiger Autorinnen und Autoren, so speist sich diese innerarabische Debatte doch aus einer beständigen Auseinandersetzung mit der europäischen Moderne, nimmt in Form von Übersetzungen und Begriffsschöpfungen einen Wissenstransfer vor und weist somit weit über den arabischen Raum hinaus. So zentral die arabische Moderne als eine Epoche des Wissenstransfers, der kritischen Revision der Tradition, des Pluralismus der Religionen, der begrifflichen Neuschöpfung und Erneuerung von Argumentationsstrategien für die Philosophie auch ist – so wenig findet sie gegenwärtig in genuin philosophischen Auseinandersetzungen Beachtung. Meine verschiedenen Publikationen wenden sich diesem Forschungsdesiderat zu und nehmen eine philologisch-hermeneutische, ideengeschichtliche und normative Analyse der Debatte um Toleranz und Intoleranz vor. Während in der islamwissenschaftlichen Forschung hauptsächlich nach dem Status eines Nicht-Muslimen innerhalb einer muslimischen Gesellschaft gefragt wird, zeigen meine Forschungsergebnisse, wie säkulare und humanistische Toleranzauffassungen in der arabischen Moderne entstanden sind und welche Formen der Entwicklung sie annahmen. Neben Artikeln in englischer, deutscher und französischer Sprache, die durch Peer-Review-Verfahren akzeptiert wurden, konnte ich in Zusammenarbeit mit Anke von Kügelgen eine zweibändige, kommentierte, annotierte und mit einer ausführlichen Einführung versehene Anthologie mit dem Titel "Konzepte von Toleranz und Intoleranz in der arabischen Moderne" herausgeben. Zudem bin ich dabei, eine Monografie zu diesem Thema fertigzustellen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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