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"Carbon bubble" und "stranded assets": Problematisierung und Governance von „Transitionsrisiken“ zwischen Klimapolitik und Finanzökonomie

Antragsteller Dr. Andreas Folkers
Fachliche Zuordnung Soziologische Theorie
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 433336180
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt untersuchte den Umgang mit Risiken an der Schnittstelle von Klimapolitik und Finanzökonomie. Ziel war es, herauszufinden, wie die Auswirkungen der Dekarbonisierung im Finanzwesen von Akteur:innen aus Zivilgesellschaft, Politik und Finanzwirtschaft wahrgenommen und bearbeitet werden. Der empirische Fokus lag dabei auf den Themen carbon bubble und stranded assets, also der Problematik, dass eine konsequente Klimapolitik zur Ab- oder sogar Entwertung fossiler Vermögenswerte beitragen könnte. In einem ersten Schritt hat das Projekt gezeigt, wie „carbon bubble“ und „stranded assets“ zu finanzökonomischen Problemfeldern geworden sind. Dabei waren zunächst nicht die Kerninstitutionen des Finanzwesens – Banken, Ratingagenturen, Regulator:innen, Vermögensverwalter:innen etc. – die treibende Kraft. Vielmehr haben etwa seit 2010 zivilgesellschaftliche Organisationen und Klimaaktivist:innen das Problemfeld eröffnet, indem sie auf die Implikationen von Klimazielen für die Geschäftspraktiken von fossilen Unternehmen aufmerksam gemacht haben. Das verweist auf eine „Politisierung“ des Finanzwesens. Diese drückt sich einerseits in Divestmentkampangen aus, bei denen Privatanleger:innen und institutionelle Investor:innen aufgefordert werden, Aktien von fossilen Unternehmen zu verkaufen bzw. diesen keine Kredite mehr zu gewähren. Das Projekt hat jedoch vor allem Strategien untersucht, die weniger direkt am Finanzfluss ansetzen, sondern an den kalkulativen Grundlagen des Finanzwesens. Wie das Projekt gezeigt hat, sind dadurch heterogene Wissensformen und Informationen (insb. das carbon accounting) in finanzökonomische Foren eingebracht worden. In einem zweiten Schritt hat das Projekt die Governance bzw. das Management von Risiken, die aus stranded assets entstehen können, sog. „Transitionsrisiken“, untersucht. Im Zuge der Pariser Klimakonferenz ist das Thema der Transitionsrisiken verstärkt auf den Radar der Finanzregulation getreten. In der Folge sind neue Regulationsversuche unternommen worden, die darauf zielen, durch die verbesserte Offenlegung klimabezogener Finanzinformationen in Geschäftsberichten von Unternehmen die Grundlage für ein besseres Management von Finanzrisiken zu schaffen. Das Projekt hat gezeigt, dass mittlerweile eine standardisierte Berichtsinfrastruktur von klimabezogenen Finanzinformationen entstanden ist. Allerdings ist fraglich, ob und wie diese Informationen tatsächlich von Investor:innen bei der Risikobewertung bzw. Investitionsentscheidung bzw. Portfolioselektion berücksichtigt werden. Die Analyse von Techniken zur Bewertung von Finanzrisiken durch Investor:innen legt nahe, dass die von der Berichtsinfrastruktur bereitgestellten klimabezogenen Fundamentaldaten nur eine sehr geringe Rolle für die Risikobemessung und Investitionsentscheidungen spielen. Letztlich sind „Preissignale“ und nicht Umweltinformationen weiterhin das entscheidende Kriterium für finanzökonomische Risikoanalysen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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