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Die Arbeitsmärkte einer ungleichen Gesellschaft im Wandel: Herausforderungen durch Heterogenität des Arbeitsmarktrisikos

Fachliche Zuordnung Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Wirtschaftstheorie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 433368816
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Arbeitsmärkte sind ständig im Wandel. Einschneidende politische Reformen wie die Hartz-Reformen in Deutschland, der technologische Wandel durch Digitalisierung und Automatisierung in allen Industrieländern und der zunehmende globale Wettbewerb durch China und andere Länder haben die Besorgnis geweckt, dass sich die Veränderungen auf den Arbeitsmärkten sogar noch beschleunigt haben, so dass die Arbeitnehmer von heute mit höheren Arbeitsmarktrisiken, weniger Arbeitsplatzsicherheit und einem hohen Maß an Ungleichheit konfrontiert sind. In diesem Projekt werden verschiedene Dimensionen der Heterogenität von Arbeitsmarktrisiken empirisch dokumentiert und ihre Auswirkungen auf die Vermögensbildung im Lebenszyklus, die Gestaltung des Rentensystems und die Portfoliozusammensetzung der Haushalte untersucht. Im ersten Arbeitspaket des Projekts zeigen meine Koautoren und ich anhand von US-Daten, dass Arbeitnehmer mit instabileren Erwerbsverläufen geringere Einkommenszuwächse haben und im Laufe ihres Arbeitslebens weniger Vermögen bilden, selbst nachdem Einkommensunterschiede berücksichtigt wurden. Anhand eines neu entwickelten Modells, das diese empirischen Fakten berücksichtigt, zeigen wir, dass das schwächere Motiv für Lebenszyklusersparnis aufgrund des geringeren Einkommenswachstums der Hauptgrund für die geringere Vermögensbildung ist. Wir zeigen, dass sich quantitativ die Auswirkungen des höheren Arbeitsmarktrisikos im Durchschnitt gegenseitig aufheben. Das zweite Arbeitspaket baut auf diesem neu entwickelten Modellrahmen auf und untersucht die Implikationen für die optimale Gestaltung des Rentensystems. Heterogenität in der Beschäftigungsstabilität führt zu unterschiedlichen Realisierungen des Lebenseinkommensrisikos, das am Ende des Erwerbslebens am effizientesten umverteilt werden kann, wenn sich das Erwerbsverlaufsrisiko realisiert hat. Die Heterogenität der Beschäftigungsstabilität legt nahe, dass das Rentensystem progressiver sein sollte, aber Anreizeffekte auf die Humankapitalakkumulation wirken diesem Effekt entgegen, was die optimale Ausgestaltung zu einer quantitativen Frage macht. In einer kalibrierten Version des neu entwickelten Modells zeigt sich, dass das optimale Rentensystem progressiver ist als das derzeitige US-System. Das dritte Arbeitspaket liefert neue Erkenntnisse über die Konzentration des Arbeitslosigkeitsrisikos anhand von Sozialversicherungsdaten des deutschen Arbeitsmarkts. Die hohe Qualität und die lange Paneldimension der Daten ermöglichen die Schätzung individueller Risikoprozesse. Anhand dieser untersuchen meine Koautoren und ich die Auswirkungen auf die Portfoliozusammenstellung von Personen mit unterschiedlichen Risiken. Wir zeigen empirisch und theoretisch, dass Personen mit niedrigem Risiko und hohem Einkommenswachstum mehr Vermögen anhäufen und dass Portfoliounterschiede die Vermögensungleichheit im Vergleich zur Einkommensungleichheit erhöhen, weil Personen mit niedrigem Risiko mehr in illiquide, renditestarke Anlagen investieren.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Employment stability, earnings dynamics, and life-cycle savings, working paper University of Mannheim
    Moritz Kuhn, Leanne Nam & Gasper Ploj
  • Optimal Progressive Pension Systems and Heterogeneous Labor Market Risk, working paper University of Bonn
    Leanne Nam
  • The simple life? Heterogeneity in income risk and household portfolios, working paper University of Mannheim
    Christian Bayer, Sebastian Hildebrand, Thomas Hintermaier, Moritz Kuhn & Gasper Ploj
 
 

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