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Untersuchung von Verfahren und Materialien für individuell modellierbare Mini-Stereotaxierahmen

Fachliche Zuordnung Hals-Nasen-Ohrenheilkunde, Phoniatrie und Audiologie
Mechanik
Förderung Förderung von 2019 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 433571394
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die kontinuierlichen Fortschritte in der Chirurgie mit immer kleineren Zugangswegen und stetig steigenden Genauigkeitsanforderungen machen die Unterstützung durch Assistenzsysteme unverzichtbar. OP-Roboter sind jedoch meist groß und teuer oder wie z.B. Navigationssysteme nicht ausreichend genau. Ein Teil der Eingriffe erfordert zudem nur eine einfache Positionieraufgabe, wofür sich Mini-Stereotaxiesysteme anbieten, die direkt im OP erstellt und als Instrumentenführung verwendet werden können. Das erfordert einen vollständig sterilen Prozess, der sich durch intuitive und leicht erlernbare Handgriffe auszeichnet. Im Projekt wurden daher grundlegende Forschungsfragen für die individuelle Herstellung einer Instrumentenführung untersucht, mit besonderem Schwerpunkt auf Genauigkeit und klinischer Handhabung. Weiteres Ziel war es, die Grenzen der "Komplexitätsreduzierung" bei chirurgischen Assistenzsystemen auszuloten – bei gleichzeitiger Berücksichtigung höchster Genauigkeitsansprüche. Neben Knochenzement konnten chirurgische Gewebekleber als zuverlässige Möglichkeit für die Fertigung individueller Bohrführungen aus Kunststoff-Halbzeugen identifiziert und experimentell bestätigt werden. Dadurch entfällt im Gegensatz zum Knochenzement die ca. 15-minütige Aushärtezeit. Weiterhin konnte durch eine optimierte Materialauswahl und Geometrie für die Halbzeuge die Positioniergenauigkeit von anfänglich 0,41 mm ± 0,27 mm signifikant auf 0,08 mm ± 0,05 mm (max: 0,20 mm, n = 18) gesteigert werden. Damit wurde experimentell gezeigt, dass individuell modellierbare Instrumentenführungen eine hochgenaue aber kostengünstige Alternative zu Navigations- und Robotersystemen darstellen. Ein weiteres wichtiges Projektergebnis ist die Entwicklung eines „digitalisierten“ Hexapods als Fertigungshilfe während der Erstellung der Instrumentenführung. Die Einstellung der Beinlänge erfolgt dabei weiterhin manuell, die aktuelle Länge wird jedoch durch eine integrierte Sensorik erfasst und digital angezeigt. Damit konnte eine deutliche Steigerung der Einstellgenauigkeit von (0,08 ± 0,20) mm auf (0,01 ± 0,01) mm erzielt und der größte Einzelfehler von 0,80 mm auf 0,02 mm reduziert werden (n = 30). Ein solches, digitalisiertes Fertigungssystem dürfte daher unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eine interessante Alternative zu teuren Robotersystemen darstellen ohne Abstriche bei der Patientensicherheit eingehen zu müssen. Das imoStar-System wurde im Projektverlauf exemplarisch an diverse chirurgische Eingriffe angepasst und an Schädelphantomen und Humanpräparaten experimentell erprobt: für minimal-invasive Zugänge zum a) Innenohr, b) Mittelohr, c) Felsenbeinspitze, d) inneren Gehörgang sowie für neurochirurgische Zielstrukturen. Außerdem wurde prototypisch eine Kombination mit einem hydraulischen Insertionstool für die automatisierte CI-Elektroden-Insertion aufgebaut, wodurch die Vielseitigkeit und Adaptivität des Grundprinzips demonstriert werden konnte.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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