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Verkehrspolitische Instrument im Zeitalter autonomer Fahrzeuge im motorisierten Individualverkehr

Fachliche Zuordnung Verkehrs- und Transportsysteme, Intelligenter und automatisierter Verkehr
Förderung Förderung von 2019 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 434191927
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Ausgangslage: Obwohl die Forschung zu einer weiter fortgeschrittenen Fahrzeugautomatisierung – mit vollautonomen (fahrerlosen) Fahrzeugen als Endstufe – zum Zeitpunkt der Antragstellung noch in den Kinderschuhen steckte, hatten bereits verschiedene grundlegende Beiträge Prognosen über eine Reihe potenziell disruptiver Veränderungen unseres Verkehrssystems in Zusammenhang mit dem Aufkommen von vollautonomen Fahrzeugen (AVs) gemacht. Zum Beispiel sind Reisende mit einem AV nicht mehr verpflichtet, fahrerbezogene Aufgaben (wie das Überwachen der Straße, Beschleunigen, Bremsen usw.) zu übernehmen, sondern können ihre Zeit mit Arbeiten, Schlafen, Filme schauen usw. verbringen. Außerdem sind Reisende nicht mehr gezwungen, ihre Autos in der Nähe ihres Ziels – meist in der Innenstadt, wo Land den höchsten gesellschaftlichen Wert hat – zu parken und dafür zu zahlen. Stattdessen könnten sie ihr Fahrzeug so programmieren, dass es nach Hause zurückfährt, einfach umherfährt oder eigenständig zu einem Ort fährt, wo das Parken günstiger oder sogar kostenlos ist. Motivation für den Antrag: Was auf den ersten Blick vielversprechend erscheint, ist nicht ohne Nachteile. Zunächst einmal werden diese und andere technische Merkmale autonomer Fahrzeuge den privaten Personentransport attraktiver machen, wodurch der Besitz privater Autos gefördert und die Verkehrsnachfrage gesteigert wird. In einem solchen veränderten Umfeld könnten die klassischen verkehrspolitischen Instrumente, die von Verkehrswissenschaftlern in den letzten Jahrzehnten entwickelt, analysiert und diskutiert wurden (z. B. Parkgebühren, Kraftstoffsteuern, Staugebühren, Geschwindigkeitsbegrenzungen), um transportbezogene Problemen (z. B. Staus, Unfälle, Umweltverschmutzung, Flächenverbrauch durch Parken) zu begegnen, möglicherweise nicht mehr so effektiv und effizient sein wie in einer Welt mit konventionellen (menschlich gesteuerten) Fahrzeugen, oder sogar obsolet werden. Dies könnte schwerwiegende Konsequenzen haben, da schlecht an das Zeitalter autonomer Fahrzeuge angepasste traditionelle verkehrspolitische Instrumente wahrscheinlich mit erheblichen Wohlfahrtsverlusten einhergehen werden. Zentrales Ergebnis: Unsere Analysen zu einer Vielzahl von Themen im Zusammenhang mit autonomen Fahrzeugen, wie z.B. Repositionierung fahrerloser Fahrzeuge zur Vermeidung von Parken, Nutzung der Zeit im Fahrzeug, Laden elektrischer AVs, legen nahe, dass Politikinstrumente zur Sicherstellung eines effizienten Verkehrssystems weiterhin von entscheidender Bedeutung sein werden, und dass die Gestaltung einer optimalen Verkehrspolitik im privaten Personentransport wahrscheinlich komplexer wird. Obwohl traditionelle verkehrspolitische Instrumente (z.B. Kraftstoffsteuern, Staugebühren, Parkgebühren, Geschwindigkeitsbegrenzungen) grundsätzlich weiterhin gültig sind, ändern sie sich in ihrer Struktur, dem (quantitativen) Niveau der Optimalität und den Bedingungen, unter denen sie aus der Perspektive der sozialen Wohlfahrt als sinnvoll angesehen werden können. Insgesamt verdeutlichen unsere Ergebnisse den dringenden Bedarf, das Set an verfügbaren verkehrspolitischen Instrumenten kontinuierlich zu überarbeiten, um sie auch in einer Welt autonomer Fahrzeuge anwenden zu können. Andernfalls laufen die relevanten Entscheidungsträger Gefahr, suboptimale oder sogar wohlfahrtsreduzierende verkehrspolitische Maßnahmen zu ergreifen.

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