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Bildungsmedien 4.0? Eine Analyse zu den Veränderungen von Produktion und Vermittlungswissen im Feld der Bildungsmedien

Fachliche Zuordnung Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 434442427
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Projekt "Bildungsmedien 4.0?" wurden mit einem diskurstheoretischen Forschungsansatz erstens das Vermittlungswissen und zweitens die Praktiken der Bildungsmedienproduktion in der ökonomischen Bildung analysiert. Auf der Grundlage von Dokumentenanalysen, Interviews und Feldanalysen wurden diese beiden Themen in Bezug auf zwei Akteursgruppen untersucht: Die etablierten Bildungsmedienverlage in Deutschland durch eine Schulbuchanalyse und die neuen Anbieter von online zugänglichen Materialien durch eine Analyse dieser „Komplementärmedien“. Zu den wichtigsten Ergebnissen gehören die folgenden: Erstens zeigt die Untersuchung, dass (digitale) Schulbücher und Komplementärmedien vor allem einer Subjektivierung von Schüler*innen als homines oeconomici Vorschub leisten. Junge Menschen werden als Unternehmer*innen ihrer selbst adressiert, wobei ein Start-up- ‚Mindset‘ als wünschenswert dargestellt wird. Klassische ökonomische Positionen dominieren, alternative Diskurse wie sozialökonomische Positionen sind marginal. Dieser hegemoniale Diskurs konstituiert sich über die Inhalte der Materialien, ihre multimodale Gestaltung und die zugrundeliegende technische Infrastruktur. Durch die weitgehende Ausblendung konfligierender Positionen (Kontroversität) verstärken die Materialien neoklassische ökonomische Paradigmen und unterstützen nicht das kritische Engagement der Schüler*innen oder ihre reflexive Auseinandersetzung mit unterschiedlichen gesellschaftlichen Positionen. Zweitens beleuchtete die Studie mit einem feldtheoretischen Ansatz die unterschiedlichen Reaktionen der Akteure auf die Transformation der Bildungslandschaft durch Digitalisierung und sich verändernde Governance-Strukturen. Während sich neue Akteure wie Stiftungen und marktorienteierte Organisationen in die aktuelle Landschaft einfügen, versuchen traditionelle Bildungsmedienverlage die digitale Innovation mit ihrer traditionellen Expertise im Printbereich in Einklang zu bringen. Dieses Spannungsfeld setzt einen Kreislauf in Gang, in dem verschiedene Innovationsstrategien ausprobiert und wieder verworfen werden. Dennoch bleibt ihre Position unter den weltweit führenden Anbietern gedruckter Bücher stabil. Die Ergebnisse unterstreichen den potenziellen Einfluss ökonomischer Bildung auf die Gesellschaft. Die Studie beleuchtet die sich entwickelnden Machtdynamik innerhalb des öffentlichen Bildungswesens und skizziert die sich abzeichnenden Rollen verschiedener Interessengruppen bei der Gestaltung des pädagogischen Diskurses und der pädagogischen Praxis. Das Projekt identifiziert Implikationen dieser Art von ökonomischer Bildung für Bildungssysteme in einer digital vernetzten Welt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Die ambivalente Pluralisierung ‚ökonomischer Bildung‘ im Kontext der Digitalisierung. In A. Heinemann, Y. Karakaşoğlu, T. Linnemann, N. Rose, & T. Sturm (Hrsg.), Entgrenzungen: Beiträge zum 28. Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft (S. 159-169)
    Karcher, M., Ntonti, A., Trupp, J. & Voss, C.
  • Bildungsmedien 4.0? Eine Analyse zu den Veränderungen von Produktion und Vermittlungswissen im Feld der Bildungsmedien. Jahresbericht des Leibniz-Instituts für Bildungsmedien
    Trupp, J. & Macgilchrist, F.
  • „Bringen digitale Medien mehr Gerechtigkeit?“ Ethik Heute, 29. Mai
    Felicitas Macgilchrist
 
 

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