Vorteile der beruflichen Nutzung sozialer Medien
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Ziel dieses Projekts war es, durch die Integration interpersoneller (Hinzufügen von Kontakten) und intrapersoneller Prozesse (Verarbeitung der Information) ein tieferes Verständnis für die Effekte der Nutzung von Social Media für berufliche Zwecke zu gewinnen. Wir argumentierten, dass Networking diese beiden Prozesse verbindet, da es einerseits Größe und Zusammensetzung des Online-Netzwerks beeinflusst und damit den Inhalt des Social Media News Feeds prägt. Andrerseits nahmen wir an, dass bessere Netzwerker auch Social Media häufiger und/oder effizienter nutzen und damit mehr Ambient Awareness, Wissen darüber, wer im Netzwerk was weiß, entwickeln. Das zweite Ziel war es, die unterschiedliche zeitliche Dynamik der Prozesse zu erforschen und zu erklären, wie die Nutzung von Social Media Informationsvorteile und Kreativität erhöht. Dazu wurde eine Measurement Burst Feldstudie, bei der zwei Experience Sampling Perioden (Bursts) mit einer einjährigen Längsschnittstudie kombiniert wurden, durchgeführt. Das dritte Ziel war es, die Genauigkeit und die automatische vs. kontrollierte Natur von Ambient Awareness weiter zu erforschen. Dazu wurde ein in der Sozialpsychologie etabliertes Paradigma zur Untersuchung automatischer Inferenzen auf den Kontext von Expertise-Inferenzen aus Social Media Posts adaptiert. Es zeigte sich sowohl in den Experimenten als auch der Measurement Burst Studie, dass Networking positiv mit der Social Media Nutzung und allen abhängigen Variablen (Ambient Awareness, Informationsvorteile, Kreativität, Serendipität) korreliert, aber keine moderierende Rolle spielt. Bessere Netzwerker verarbeiten die Informationen also nicht anders. Die Measurement Burst Studie zeigte vor allem kurzfristige Effekte des Lesens und Postens. Personen, die mehr lasen oder auch posteten als normalerweise, berichteten für denselben Halbtag höhere Informationsvorteile, Serendipität und Kreativität. Personen die mehr als normal lesen, berichteten auch höheren Informationsvorteile, Serendipität und Ambient Awareness über einen Zeitraum von drei Monaten. Posten hing dagegen mit höherer Kreativität innerhalb von drei Monaten zusammen. Allerdings gab es keine Effekte der Social-Media-Aktivität auf Ergebnisse im nächsten Erhebungszeitraum. Personen, die aktiver waren auf Social Media als andere, berichteten generell mehr Vorteile. Die Ergebnisse der vier experimentellen Studien zeigten deutlich, dass Ambient Awareness ein automatischer Prozess ist, der auch auftritt, wenn das aktivierte Ziel eigentlich dazu führen sollte, dass keine falschen Wiedererkennungen der implizierten Expertisen auftreten, oder wenn die Aufgabe unter kognitiver Belastung durchgeführt wird. Die Ergebnisse sind zum einen wertvoll für das Verständnis der kognitiven Verarbeitungsprozesse bei der Social Media Nutzung. Sie haben aber auch eine hohe praktische Relevanz, da sie zeigen, dass insbesondere das Überfliegen von Social Media Posts mit mehr Wissen und Kreativität einhergeht.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Ambient Awareness of Who Knows What: Spontaneous Inferences of Domain Expertise. Media Psychology, 27(3), 329-351.
Anderl, Christine; Levordashka, Ana & Utz, Sonja
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Feeling guilty about browsing social media at work? SPSP, Character & Context Blog.
Anderl, C.
