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Natürliche Religion und Politik in der Französischen Revolution

Fachliche Zuordnung Frühneuzeitliche Geschichte
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 437201489
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Französische Revolution gilt als ein radikaler Bruch mit der Vergangenheit und als Beginn der Moderne. Die französische Öffentlichkeit sieht in dieser Periode die Ursprünge der Laizität des französischen Staats. In der Tat tobte in den 1790er Jahren de r Kampf zwischen dem französischen Staat und der römischen Kirche. Und doch wäre es verfehlt zu glauben, dass die Französische Revolution eine Trennung von Religion und Politik – also eine Säkularisierung von Politik – eingeleitet hätte. Wie das Forschungsprojekt „Natürliche Religion und Politik in der Französischen Revolution“ zeigt, verfolgten im Gegenteil führende Revolutionäre zwei religiös-politische Vorhaben: die Rückkehr zur natürlichen Religion und die Durchsetzung der göttlichen Ordnung auf Erden. Am Anfang des Forschungsprojekts stand die Feststellung, dass es strukturelle Ähnlichkeiten zwischen der Reformation des 16. Jahrhunderts und der Französischen Revolution gegeben habe. Das Projekt nahm deshalb zum ersten Mal die Bemühungen um eine Rückkehr zur natürlichen Religion in der Revolutionszeit in religionshistorischer Perspektive ernst und untersuchte sowohl religiöse Praktiken und Vorstellungen im Kontext von Festen und der Herausbildung von Kultgemeinschaften als auch theologisch grundierte Diskurse in politischen Auseinandersetzungen. Die Ergebnisse zeigen, dass man nicht nur von einer Instrumentalisierung der Religion für politische Zwecke ausgehen sollte – wie die Forschung es bislang angenommen hatte –, sondern dass Politik genauso sehr für religiöse Zwecke instrumentalisiert wurde. Kurz: Die französischen Revolutionäre betrieben eine „Theopolitik.“ Diese Erkenntnis ermöglicht einen neuen Blick auf die Französische Revolution. Es wird dadurch klar, dass religiöse Vorstellungen ganz im Zentrum des revolutionären Projektes standen: Wenn ein Bruch mit der Vergangenheit als ein legitimer, ja notwendiger Schritt erschien, dann weil man diesen Bruch als eine Rückkehr zur gottgewollten Ordnung verstand. Gewalt in der Revolution hatte auch eine religiöse Dimension und die Bürgerkriege erklären sich zu einem erheblichen Teil durch religiöse Reform bemühungen und die Widerstände, die diese hervorriefen. Auch Faktionskämpfe zwischen Revolutionären waren von religiösen Diskursen nicht zu trennen. Die Französische Revolution, diese so wichtige Zeit für die Entstehung der Moderne, weist bei näherem Hinsehen viel mehr Kontinuitäten mit vormodernen Umwälzungsperioden auf, als man bislang vermutet hat.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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