Analysis on the Relevance of Adult Education: Evaluation of the Economic Impacts of Adult Education Centers in East Germany after Reunification
Statistics and Econometrics
Final Report Abstract
Obwohl verschiedene Formen freiwilliger Erwachsenenbildung in den meisten industrialisierten Ländern verbreitet sind, ist über ihre ökonomischen Effekte bisher relativ wenig bekannt. In Deutschland sind Volkshochschulen der wichtigste Anbieter von Erwachsenenbildung. Ziel dieses DFG-Projektes war eine erstmalige, kausale Evaluation der ökonomischen und nicht-monetären Effekte von Volkshochschulbildung. Dafür wurde die Transformation der Wirtschaft in Ostdeutschland nach der Wiedervereinigung im Jahr 1990 als natürliches Experiment genutzt: Obgleich Volkshochschulen auch in der DDR bestanden, veränderten sich das Kursangebot sowie der Umfang der Angebote substantiell. Die dezentrale Verantwortlichkeit führte zu großen zeitlichen und räumlichen Unterschieden im resultierenden Angebot für Teilnehmende in den jeweiligen Einzugsbereichen. Die zentrale Herausforderung bei der Bearbeitung der Forschungsfragen bestand in der Informationsbeschaffung und -prüfung. Die VHS-Statistik, die am Deutschen Institut für Erwachsenenbildung (DIE) in Bonn gepflegt wird, lieferte wesentliche Daten über das Bildungsangebot der Volkshochschulen. Diese Statistik existiert seit 1987 und wurde ab 1991 um ostdeutsche Volkshochschulen erweitert. Da es allerdings wenig qualitativ-historische Forschung zur Rolle der Volkshochschule im Wende- und Nachwendegeschehen gibt, wurde hier Pionierarbeit geleistet. Die Daten mussten für die Untersuchung der quantitativen Effekte jedoch umfassend bereinigt und aufbereitet werden. So änderte sich die Zahl der Volkshochschulen nach der Wiedervereinigung stetig. Zunächst wurde ein Anstieg um fast 20 % verzeichnet, gefolgt von einem Rückgang aufgrund von Fusionen und Zusammenlegungen. Zur Untersuchung der Forschungsfragen wurden weitere Datenquellen geprüft, darunter das Sozioökonomische Panel (SOEP) und Arbeitsmarktdaten aus den 1990er Jahren. Diese Daten erwiesen sich jedoch als unzureichend für die erste Fragestellung. Durch intensive Recherchen, einschließlich Archivbesuchen, konnten Arbeitslosenzahlen für ostdeutsche Kreise ab 1992 aus Veröffentlichungen der Bundesagentur für Arbeit digitalisiert werden. Diese Digitalisierung war notwendig, um die Forschungsfragen beantworten zu können. Die im Projekt erfassten Daten sollen auch anderen Forschenden zugänglich gemacht werden. Aus dem Projekt ist bisher eine Publikation hervorgegangen, die kausale Evidenz zu den Arbeitsmarkteffekten von Volkshochschulbildung im Transformationsprozess liefert. Sie untersucht, wie freiwillige Erwachsenenbildung, wie Volkshochschulkurse, Arbeitslosigkeit beeinflussen kann. Die Ergebnisse zeigen, dass die Kurse keinen signifikanten Effekt auf die Arbeitslosigkeit in Ostdeutschland während der Transformationsphase hatten. In Grenzgebieten zu Westdeutschland konnte allerdings eine Reduktion der Arbeitslosigkeit ermittelt werden. Arbeitsbezogene Kurse wie Sprach- und Berufskurse reduzierten die Arbeitslosigkeit, während freizeitbezogene Kurse keinen robusten Effekt zeigten. Die Arbeiten am zweiten Themenkomplex, der die Auswirkungen auf politische und gesellschaftliche Einstellungen untersucht, begannen im August 2023 und werden aktuell fortgesetzt. Vorläufige Ergebnisse zeigen, dass Volkshochschulkurse das politische Interesse und Parteipräferenzen beeinflussten.
Publications
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Can voluntary adult education reduce unemployment? Causal Evidence from East Germany after Reunification. Hannover Economic Papers, No. 721, Juni 2024
Rupieper, K. & Thomsen, S.
