Pottery traditions as a mirror of social structures of the 5th and 4th millennium BC in northern Central Europe
Final Report Abstract
Die im Rahmen des Projektes gewonnenen Ergebnisse bestätigen weitgehend die in den vorherigen durchgeführten Studien erhobenen Daten zur Töpfereitradition der Trichterbecherkultur. Letztere Untersuchungen waren aufgrund der geringen Anzahl von analysierten Keramikscherben in ihrem repräsentativen Aussagewert sehr begrenzt und sollten mithilfe einer größeren Probenmenge sowie der Einbindung weiterer Fundplätze erweitert und überprüft werden. Es ergibt sich ein wiederkehrendes Muster von deutlich voneinander abzugrenzenden Siedlungsräumen, die sich anhand der Nutzung von lokal verfügbaren Rohstoffquellen definieren und eingrenzen lassen. Wenngleich zumeist mehrere unterschiedliche Tonvorkommen innerhalb einer Mikroregion zur Herstellung von Keramik aufgesucht worden sind, so befanden sich diese jedoch alle in der näheren Umgebung zueinander wie es die hohe Ähnlichkeit ihrer chemischen Zusammensetzungen nahelegt. Aus nicht lokalem Tonmaterial angefertigte Gefäße konnten nur sehr vereinzelt in den einzelnen Untersuchungsgebieten identifiziert werden. Dies lässt auf zu einem hohen Grad geschlossene und weitgehend autark agierende Siedlungsgemeinschaften schließen. Überdies konnte gezeigt werden, dass die als Fremdgüter auf einen Fundplatz gelangten Gefäße zumeist aus angrenzenden Siedlungsräumen stammen, sodass ein Vorhandensein von kleinräumigen Netzwerke zwischen benachbarten Gemeinschaften vorausgesetzt werden kann. Hinweise auf überregionale Kommunikationsstrukturen liegen hingegen nicht vor. Ein regelmäßiger Austausch von Keramikwaren über größere Entfernungen hinweg hat mit Sicherheit nicht stattgefunden. Da sich jedoch neue Ideen und handwerkliche Kenntnisse nachweislich überregional verbreitet haben, erfolgte dies vermutlich über einzelne ortsfremde Personen oder kleinere Personengruppen, die ihr Wissen im Bereich des Töpfereihandwerks vermittelt und weitergegeben haben. Es scheint, dass das Töpfereihandwerk wenig spezialisiert gewesen ist und vermutlich von einem großen Personenkreis ausgeübt wurde. So sind beispielsweise verschiedene Gefäßformen und für unterschiedliche Funktionen genutzte Gefäße einheitlich hergestellt worden. Hinweise auf eine Priorisierung von spezifischen Rohmaterialien oder technologischen Eigenheiten ergaben sich nicht. Anders verhält es sich hingegen bei dem Herstellungsprozess von für den Grabgebrauch benötigter Tonware. Die im Rahmen des Projektes erzielten Ergebnisse zu den Rohmaterialien lassen den Schluss zu, dass eine intentionsabhängige, speziell für den Grabritus existierende Keramikproduktion existiert hat. Es wird angenommen, dass ausschließlich ein kleiner, speziell ausgebildeter Personenkreis die Grabkeramik anfertigte. Vermutlich stellte bereits das Töpfern dieser Keramik ein bedeutendes Element innerhalb der Bestattungstradition der trichterbecherzeitlichen Gesellschaft dar. Schließlich konnte anhand von Analysen an Keramik der Ertebølle-Kultur sowie der frühen Trichterbecherkultur nachgewiesen werden, dass in der Zeit des Überganges um 4100 cal BC eine Adaption einzelner Elemente im Töpfereihandwerk im Sinne einer autochthonen Weiterentwicklung der endmesolithischen Keramiktradition nicht stattgefunden hat. Vielmehr ist davon auszugehen, dass grundlegende Ideen eines neuartigen Keramikspektrums und seiner technologischen Umsetzung in den norddeutschen Raum gelangt sind, die dann zu neuen Gefäßformen lokaler Prägung geführt haben. Damit erbrachte das Projekt zu den Töpfereitraditionen des 5. und 4. Jahrtausends v. Chr. nicht nur wichtige Erkenntnisse zu gesellschaftliche Strukturen der Trichterbecherkultur, sondern konnte darüber hinaus maßgeblich zur Charakterisierung des Neolithisierungsprozesses in Norddeutschland beitragen.
Publications
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Geochemical analyses of the ceramics. In: H. M. van der Velde, N. Bouma u. D. C. M. Raemaekers (Hrsg.), Making A Neolithic Non-Megalithic Monument. A TRB burial ground at Dalfsen (the Netherlands), c. 3000-2750 cal. BC, 145-155. Leiden
STRUCKMEYER, K. & VAN OS, B.
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Töpfereitraditionen in Zeiten des Umbruchs - archäometrische Analysen an endmesolithischem und frühneolithischem Keramikmaterial aus Ostholstein. Siedlungs- und Küstenforschung im südlichen Nordseegebiet 45, 9-41
STRUCKMEYER, K.
