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Die Konstruktion japanischer buddhistischer Identitäten in der Begegnung mit Sri Lanka, 1882 – 1893

Antragsteller Stephan Licha, Ph.D.
Fachliche Zuordnung Asienbezogene Wissenschaften
Religionswissenschaft und Judaistik
Förderung Förderung von 2020 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 438846596
 
Erstellungsjahr 2023

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Der Buddhismus wird heute weithin als die „asiatische Weltreligion“ betrachtet. In der religionswissenschaftlichen Forschung zur Genese dieser Vorstellung wird zum einen gemeinhin die Rolle der westlichen Orientalistik, zum anderen in der jüngeren Forschung der Beitrag asiatisch-buddhistischer Akteure selbst zum sich herausbildenden, immer noch eurozentrisch verfassten orientalistischen Diskurs in Augenschein genommen. Das Forschungsprojekt hingegen machte es sich zur Aufgabe, die Forschungsachse zur „Weltreligion Buddhismus“ von Ost-West-Kontakten hin zu inner-asiatische Beziehungen zu verschieben. So sollte der These nachgegangen werden, dass die Beiträge, welche asiatische buddhistische Akteure bereits im neunzehnten Jahrhundert zum globalen religionswissenschaftlichen Diskurs und zur Herausbildung des Konzepts der „Weltreligion Buddhismus“ leisteten, eingebettet waren in inner-asiatische Netzwerke, die sich aus der Begegnung asiatischer Buddhisten miteinander und der Notwendigkeit, eine gemeinsame, aber intern differenzierte, Identität zu artikulieren, ergeben hatten. Um dieses doppelt auf lokale und globale Entwicklungen ausgerichtete Forschungsinteresse konkret umsetzen zu können, bediente sich das Forschungsprojekt des Begriffs der Translokalität. Unter diesem soll eine Untersuchungsebene verstanden werden, welche sich auf grenzüberschreitende Diskurse fokussiert, diese aber nicht in globale Strukturen hinein aufzulösen versucht. In einem solchen Forschungsansatz rücken natürlicherweise Netzwerke zwischen geographisch getrennten Institutionen und Akteuren unter verschiedenen politischen Umständen in den Mittelpunkt des Erkenntnisinteresses. Konkret konzentrierte sich das Projekt auf die Beziehungen zwischen Buddhisten in Sri Lanka und Japan, da diese beiden Traditionen einerseits zu Recht als Vorreiter des buddhistischen Modernismus betrachtet werden, anderseits aber auch unter politisch sehr unterschiedlichen Gegebenheiten agierten. Zur Erhellung dieser Beziehungen boten sich insbesondere Zeitschriftenpublikationen an, da diese institutionelle Verflechtungen und diskursive Entwicklungen detailliert und zeitnah abbilden. Konkret untersuchte das Projekt dreizehn buddhistische Zeitschriften. Im Rahmen dieser Untersuchung zeigte sich, dass für japanische Konstruktionen der „Weltreligion Buddhismus“ der Begriff des „Kleinen Fahrzeuges“ konstitutiv war. Ursprünglich eine meta-doktrinäre Kategorie der buddhistischen Scholastik, entwickelte sich das „Kleine Fahrzeug“ zu einem Kürzel für den vermeintlich weltabgewandten und schwächlichen Buddhismus Süd- und Südostasiens, der auch zunehmend für die koloniale Dominanz des Westens in diesen Regionen verantwortlich gemacht wurde. Hieraus entstand ein messianisch-eschatologisches Motiv, welches den japanischen Mahāyāna-Buddhismus als Befreier Asiens verstand und die Grundlage für die zunehmend imperialistische Ideologien des japanischen Buddhismus bildete. Das Projekt konnte schließlich zeigen, dass dieses neu verfasste „Kleine Fahrzeug“ durch die Bemühungen japanischer Gelehrter seinen Weg in die Diskurse der modernen, westlichen Buddhologie fand und innerhalb dieser bis in die zweite Hälfte des zwanzigsten Jahrhunderts hinein beinahe unhinterfragt reproduziert wurde. Damit löst das Projekt seinen Anspruch, den Beitrag asiatischer buddhistischer Akteure zur Herausbildung der „Weltreligion Buddhismus“ zu erhellen, ein.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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