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FOR 5182: Kontroverse Diskurse. Sprachgeschichte als Zeitgeschichte seit 1990
Fachliche Zuordnung
Geisteswissenschaften
Förderung
Förderung seit 2022
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441142207
Die Forschungsgruppe hat vor dreieinhalb Jahren damit begonnen, die jüngste Spra-chgeschichte des Deutschen aufzuarbeiten und darzustellen. Ziel war es dabei, verstreut vorliegende diskurslinguistische Studien z.B. zum Klimaschutzdiskurs oder zu Wirtschaftskrisendiskursen durch die Bearbeitung zahlreicher weiterer Themenfelder so zu erweitern, dass eine empirisch abgesicherte Gesamtdarstellung der deutschen Sprachgeschichte als Diskursgeschichte seit 1990 geschrieben werden kann. Das grundlegende Ziel der Forschungsgruppe beruht auf der sprachtheoretischen Überzeugung von der realitätskonstitutiven Kraft der Sprache. Aus dieser Überzeugung folgt, dass eine Aufklärung darüber, wie in welchen Themenfeldern die jeweiligen „Wirklichkeiten“ sprachlich konstruiert wurden, als eine wertvolle Ergänzung zur Zeitgeschichtsschreibung angesehen werden kann, die sich allzu oft durch Diskurs-vergessenheit auszeichnet, wenn sie z.B. die sprachlich-diskursive Konstruktion von Wirtschaftskrisen, mit der solche „Krisen“ überhaupt erst wahrnehmbar werden, nicht mit reflektiert. Dieses gesellschaftlich relevante Forschungsziel wird in einem größeren Verbundprojekt und in zwei Förderphasen umgesetzt. Im Erstantrag hat die Forschungsgruppe Hypothesen zu diskurssemantischen Grund-figuren entwickelt, über die sich diese Themen zu Themen- und damit Projekttandems bündeln lassen. In der ersten Förderphase sind daher Diskurse um soziale Sicherheit, Bioethik, Umweltdiskurse sowie solche zur Äußeren Sicherheit, insbesondere zu Mili-täreinsätzen mit verschiedenen Methoden und auf der Grundlage eines sehr großen Korpus von Printmedien und Bundestagsdebatten untersucht worden. Die Studien leisten Beiträge zur Beschreibung und diskursiven Rolle der Grundfiguren Partizipation & Egalität, Mensch & Technologie, Individuum & Gesellschaft sowie Freiheit & Sicherheit, die in der zweiten Förderphase mit diskursgeschichtlichen Analysen zu Diversitäts- und Digitalisierungsdiskursen, zum Bildungsdiskurs sowie zu Debatten um die Innere Sicherheit vervollständigt werden. Zudem hat die Forschungsgruppe die methodologische Diskussion in der Diskurslin-guistik der letzten Jahrzehnte aufgegriffen mit dem Ziel, den Gegensatz von quantitati-ven und qualitativen Methoden zu überwinden. Diese Methoden erfordern einen großen Aufwand hinsichtlich der Korpuserstellung und -auswertung. Einbezogen wurden dabei insbesondere korpuslinguistische Verfahren, die sich für die linguistische Diskursanalyse als weiterführend erweisen. Mit digitalen Methoden der Aufbereitung, Annotation, Analyse und Visualisierung von Textdaten kann die Diskurslinguistik auf die immer größer werdende Menge an zugänglichen Texten angewandt und mit textstatistischen Verfahren trianguliert werden. Der Mehrwert der Forschungsgruppe besteht demzufolge auch darin, dass über die Verbundforschung mit einer gemeinsamen digitalen Infrastruktur eine kollaborative Methodologie der verstehenden Diskursgeschichte entwickelt wird.
DFG-Verfahren
Forschungsgruppen
Internationaler Bezug
Schweiz
Projekte
- „Freiheit und Sicherheit Deutschlands werden heute auch am Hindukusch verteidigt“. Diskurse um Äußere und Innere Sicherheit in Deutschland seit 1990 (Antragsteller Wengeler, Martin )
- Individuelle Freiheit und soziale Norm – Nachhaltigkeits- und Verantwortungsdiskurse zu Umwelt und Bildung seit 1990 (Teilprojekt 3: Individuum und Gesellschaft, Phase 2: Bildungsdiskurs) (Antragstellerinnen / Antragsteller Janich, Nina ; Kilian, Jörg )
- Koordinationsfonds (Antragsteller Wengeler, Martin )
- Mensch und Technologie. Kontroverse Diskurse zur Technisierung der Lebenswelt (TP 2: Mensch und Technologie, Phase 2: Digitalisierung) (Antragstellerinnen / Antragsteller Müller, Marcus ; Spieß, Constanze )
- Methodologie und Reflexion: Linguistische Diskursgeschichtsschreibung als digital gestützte Gruppenforschung (TP 5: Methodologisches Querschnittsprojekt, Phase 2) (Antragsteller Müller, Marcus )
- Partizipation und Egalität – Diskurse um soziale Teilhabe und Solidarität sowie Diversität und Gleichberechtigung seit 1990 (TP 1: Partizipation und Egalität, Phase 2: Diversitäts- und Gleichberechtigungsdiskurse) (Antragstellerinnen / Antragsteller Bubenhofer, Noah ; Schröter, Juliane )
Sprecher
Professor Dr. Martin Wengeler
