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Framing von Ungleichheit: Wie unterschiedliche Arten der Beschreibung ökonomischer Ungleichheit Bewertungen von und Reaktionen auf Ungleichheit beeinflussen

Fachliche Zuordnung Sozialpsychologie und Arbeits- und Organisationspsychologie
Förderung Förderung von 2020 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441387604
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Zunehmende Ungleichheiten sind eine zentrale Herausforderung unserer Zeit. Dieses Projekt untersuchte die Bedeutung von Vorteils- und Nachteilsframing (z.B. „Reiche haben mehr als Arme“ vs. „Arme haben weniger als Reiche“) für die soziale Konstruktion von Ungleichheit. Wir testeten einerseits Effekte dieser Framings experimentell und untersuchten andererseits ihre Verwendung in medialen und Laiendiskursen. Experimente, welche Effekte auf emotionale Reaktionen, Legitimitätsbewertungen und Handlungsintentionen untersuchten, lieferten je nach Kontext unterschiedliche Ergebnisse. Ein Experiment zur Wahrnehmung globaler Ungleichheit fand, anders als vorherige Forschung, keine Effekte auf diese Variablen. Bezogen auf Ungleichheit zwischen Festangestellten und Zeitarbeitenden verringerte Nachteilsframing (vs. Vorteilsframing) die wahrgenommene Legitimität und erhöhte das Mitgefühl mit der benachteiligten Gruppe (Zeitarbeitende) sowie Handlungsintentionen. Für Geschlechterungleichheit im Sport fanden wir gemischte Ergebnisse. In einem Experiment reagierten Frauen stärker auf Nachteilsframing (vs. Vorteilsframing) als Männer, in einem anderen reagierten Männer darauf stärker als Frauen. Auch Experimente, die Framingeffekte auf Erklärungen und Attributionen untersuchten, lieferten gemischte Ergebnisse. Eine erste Studienreihe untersuchte, ob Framing einen Einfluss darauf hat, ob Personen spontan versuchen Ungleichheit zu erklären und fand keine systematischen Effekte. Eine zweite Studienreihe untersuchte wie Personen Ungleichheit erklären und zeigte, dass Framing beeinflusst, auf wen sich Erklärungen beziehen und welche Interventionsarten bevorzugt werden (größtenteils wie vorhergesagt). Eine dritte Studienreihe fand, dass Vorteilsframing zu stärkeren internalen Attributionen führt, also privilegierten Gruppen mehr Verantwortung für ihre Vorteile zuschreibt, als Nachteilsframing. Bezüglich der diskursiven Verwendung von Vorteils- und Nachteilsframing fand zunächst eine Medienanalyse, dass Zeitungsartikel diese Framings abhängig von der Art der Ungleichheit nutzen. Analysen von sozialen Medien (Twitter, jetzt X) zeigten, (a) dass Twitter-User ökonomische Ungleichheit selten anhand direkter Gruppenvergleiche beschreiben, dass (b) ethnische Ungleichheit öfter als Nachteile von Schwarzen denn als Vorteile von Weißen geframt wird, letzteres Framing aber mehr Diskussionen anregt sowie (c) dass für Geschlechterungleichheit öfter Nachteilsframing verwendet wurde – insbesondere wenn negative Outcomes beschrieben wurden. Zudem manipulierten wir in einem Experiment, ob Versuchspersonen das Kommunikationsziel hatten, Ungleichheit als legitim vs. illegitim darzustellen. Dies hatte keinen Einfluss auf Vorteils- vs. Nachteilsframing, jedoch auf das Ausmaß, zu dem auf betroffene Personen versus abstrakte Konzepte eingegangen wurde. Zusammenfassend zeigt das Projekt sowohl die Bedeutung von Vorteils- und Nachteilsframing als auch Grenzen und Randbedingungen dieser Effekte.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Globale Ungleichheit – Psychologische Aspekte eines Makrophänomens. In L. Pfaller, M. Sarikaya, V. Gutsche & R. Holzinger (Eds.), Distinktion, Ausgrenzung und Mobilität. Interdisziplinäre Pespektiven auf soziale Ungleichheit. Erlangen, FAU University Press.
    Reese G.
  • How whom we talk about affects attributions for income inequality [Research report]. 52nd Congress of the German Psychological Society. Hildesheim, Germany
    Braun, M. & Bruckmüller, S.
  • Justice in the eye of the beholder: How comparative framing affects our perceptions of social inequalities. Annual Meeting of the Belgian Association of Psychological Sciences (2022, June 2-3). Leuven, Belgium
    Schnepf, J., Reese, G. & Martiny, S.
  • One group’s advantage or another’s disadvantage? How comparative framing shapes explanations of, and reactions to, different kinds of inequality. Annual Meeting of the Belgian Association of Psychological Sciences (2022, June 2-3). Leuven, Belgium
    Bruckmüller, S. & Braun, M.
  • ow whom we talk about affects attributions for income inequality [Research report]. 17th International Conference on Language and Social Psychology (2022, June 22-25, hybrid online and in-person conference). Hong Kong
    Braun, M. & Bruckmüller, S.
  • Unequal tweets? Tweets about Black disadvantage are more common, and more likely to be passed on, than tweets about White privilege. 17th International Conference on Language and Social Psychology (2022, June 22-25, hybrid online and in-person conference). Hong Kong
    Malapally, A. & Bruckmüller, S.
  • Comparison focus matters: How we compare high and low earners affects internal attributions for income inequality. 19th General Meeting of the European Association of Social Psychology (2023, July 1- 4). Krakow, Poland
    Braun, M. & Bruckmüller, S.
  • How privilege and disadvantage framing shape explanations of and suggestions for interventions against different kinds of inequality. 19th General Meeting of the European Association of Social Psychology (2023, July 1- 4). Krakow, Poland
    Bruckmüller, S. & Braun, M.
  • Understanding Inequality as Privilege Versus Disadvantage: The double-edged sword of visibility and its implications for research on inequality [Position talk]. 18th Conference of the Social Psychology Section of the German Psychological Society. Graz, Austria
    Bruckmüller, S.
  • Unequal tweets – tweets about disadvantage are more common and generate more responses than tweets about privilege. 19th General Meeting of the European Association of Social Psychology (2023, July 1- 4). Krakow, Poland
    Malapally, A., Blombach, A., Heinrich, P., Schnepf, J. & Bruckmüller, S.
  • Unequal Tweets: Black Disadvantage is (Re)tweeted More but Discussed Less Than White Privilege. Political Communication, 41(1), 107-128.
    Malapally, Annette; Blombach, Andreas; Heinrich, Philipp; Schnepf, Julia & Bruckmüller, Susanne
  • When do we understand inequality in terms of disadvantage and when in terms of privilege? And why does that matter? [Research report]. 19th General Meeting of the European Association of Social Psychology. Krakow, Poland
    Malapally, A. & Bruckmüller, S.
 
 

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