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Selber Schuld… oder? Eine vergleichende, stadtsoziologische Erklärung von Wohnungslosigkeit im Wechselspiel individueller, institutioneller und struktureller Faktoren

Fachliche Zuordnung Empirische Sozialforschung
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 441782944
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

„Wer auf der Straße lebt, ist doch selber schuld!“ Diese Annahme ist in der Diskussion über die Ursachen von Wohnungs- und Obdachlosigkeit weit verbreitet, nicht zuletzt mit einem Verweis auf den gut ausgebauten deutschen Wohlfahrtsstaat. Dabei ist die Zahl wohnungsloser Menschen in den vergangenen Jahren weiter angestiegen. Statt einer eindimensionalen Abstellung auf einzelne Faktoren oder Gründe fokussiert dieses Forschungsprojekt die Wechselwirkungen individueller, institutioneller und (raum-)struktureller Kontexte bei der Entstehung und Verfestigung von Wohnungs- und Obdachlosigkeit. Im Zentrum steht die Entwicklung und anschließende Anwendung einer Heuristik, auf deren Basis Bedingungen ermittelt werden können, die sich für das Auftreten von Wohnungsnotfällen als ausschlaggebend erweisen. Hierfür erfolgte in drei mittelgroßen Städten – Göttingen, Kassel und Paderborn – eine systematische Betrachtung der städtischen Strukturen sowie der Handlungsmuster der relevanten Akteure. Zu diesem Zweck wurden über 90 Interviews mit Betroffenen, städtischen Vertreter*innen sowie Mitarbeiter*innen des lokalen Hilfesystems und angrenzenden Institutionen geführt. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Identifizierung von Mechanismen des (partiellen) Ausschlusses von sozialstaatlichen Leistungen auf kommunaler Ebene, die stets unter der Berücksichtigung der individuellen Dispositionen und Biographien der Beteiligten, der kommunalen (Regulierungs-)Praktiken sowie des faktischen Versagens (gesamt-)staatlicher wie marktlicher Rahmenbedingungen betrachtet und eingeordnet wurden. Hieraus ließen sich Aufschlüsse über die konkreten In- und Exklusionsmechanismen in der sozialen Intervention ‚vor‘ Ort gewinnen, die in den drei Städten punktuell durchaus beträchtlich differieren. „Soziologe über Obdachlosigkeit: Menschen werden nicht zufällig wohnungslos“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.04.2024) „Göttinger Wissenschaftler sieht Lücken bei Hilfen mit Obdachlosen“ (Die Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 09.03.2024) Hallo Niedersachsen – „Angst vor dem Amt: Studie aus Göttingen zu Wohnungslosigkeit“ (NDR, 14.03.2024) „Wissenschaftler: Wohnungslosen bei Anträgen helfen“ (Evangelisch.de, 07.03.2024).

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • „Wohnungslos in der Stadt: Soziologische Perspektiven auf Exklusionsdynamiken im Wechselspiel individueller, raumstruktureller und institutioneller Kontexte“, in: Villa Braslavsky, P.-I. (Hg.), Polarisierte Welten. Verhandlungen des 41. Kongresses der Deutschen Gesellschaft für Soziologie in Bielefeld 2022
    Weishaupt, J. T., Hinrichs, C. & Weckwerth, J.
  • Der Nationale Aktionsplan gegen Wohnungslosigkeit. Ein Kommentar. DIFIS-Blog
    Weishaupt, J. T.
  • EPOCH-making? – the tool to end homelessness. Social Europe Blog
    Weishaupt, J. T. & Hinrichs, C.
  • Wohnungslos in Göttingen in Zeiten der Pandemie. Obdach- und Wohnungslosigkeit in pandemischen Zeiten, 297-314. transcript Verlag.
    Hinrichs, Christian & Weishaupt, Timo
  • „The European Platform on Combatting Homelessness: Delivering the Goods Against the Odds?“, in: Vanhercke, B., Sabato, S., und Spasova, S. (Hg.), Social Policy in the European Union: State of Play 2023. Brussels: ETUI and OSE, 115-132
    Weishaupt, J. T. & Hinrichs, C.
 
 

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