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Seismische Beobachtung tiefer vulkanischer Prozesse

Fachliche Zuordnung Physik des Erdkörpers
Förderung Förderung von 2020 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 443363136
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das SaMOVAR-Projekt zielte darauf ab, tief liegende vulkanische Prozesse durch seismische Beobachtungen zu untersuchen, wobei die Klyuchevskoy-Vulkangruppe (KVG) in Kamtschatka als natürliches Labor diente. Diese Region, der größte und aktivste Subduktionszonen-Vulkancluster weltweit, bot eine einzigartige Gelegenheit, Magmatransportmechanismen, Krusten- und Mantelanisotropie sowie präeruptive Veränderungen in Vulkansystemen zu untersuchen. Das Projekt konzentrierte sich auf das Verständnis der physikalischen Prozesse, die den Magma- und Fluiddrucktransport von tiefen Quellen zu flachen Reservoirs steuern. Um diese Ziele zu erreichen, wurden Daten aus dem temporären KISS-Netzwerk, das 80 Breitband-Seismographen umfasste, die zwischen 2015 und 2016 in Betrieb waren, und Langzeitaufzeichnungen aus dem permanenten seismischen Netzwerk von Kamtschatka mithilfe von Techniken wie Scherwellen-Splitting, Receiver-Function-Analyse, seismische Tomographie und Ambient-Noise-Analyse analysiert. Trotz der Herausforderungen durch den Russland-Ukraine-Krieg, der den Zugang zu bestimmten Datensätzen einschränkte, erzielte das Projekt durch die Nutzung alternativer regionaler und internationaler Datensätze bedeutende Fortschritte. Zu den wichtigsten Erkenntnissen gehörten komplexe Anisotropie-Muster im Mantel unterhalb der Kurilen-Kamtschatka-Subduktionszone, wobei toroidale Strömungen an den Plattenrändern die Dynamik des Mantels beeinflussen. Lokales Scherwellen-Splitting deutete auf eine schwache Anisotropie im Mantelkeil hin, während teleseismisches Schwerwellen-Splitting auf eine starke Anisotropie im Mantel unterhalb der Platte hindeuteten, was mit einer trench-parallelen Mantelströmung übereinstimmt. Es wurden zeitliche Änderungen der seismischen Geschwindigkeit im Zusammenhang mit vulkanischen und tektonischen Prozessen festgestellt, darunter Hinweise auf eine flache magmatische Reservoirinflation am Vulkan Bezymianny vor einem Ausbruch. Der episodisch wechselnde Charakter des seismischen Rauschens stellt in vulkanischen Umgebungen eine besondere Herausforderung dar und wurde mit Hilfe einer zeitlichen Clusterung angegangen, die Perioden relativer Stabilität identifizierte, welche zur Überwachung seismischer Geschwindigkeiten genutzt werden können. Eine weitere Herausforderung für die langfristige interferometrische Geschwindigkeitsüberwachung ergibt sich aus Änderungen der Stationskonfiguration. Dieses Problem wurde am Mount St. Helens bearbeitet, der seit Jahrzehnten instrumentiert ist, allerdings mit variablen Stationskonfigurationen. Es wurde eine Strategie entwickelt, die auf der räumlichen Abbildung von Geschwindigkeitsänderungen basiert, um Daten von neuen Stationen in ein kohärentes 4D-Bild der sich ändernden seismischen Geschwindigkeiten zu integrieren. Im Rahmen des Projekts wurden innovative Tools entwickelt, wie die Open-Source-Software SeisMIC, die eine effiziente Überwachung der seismischen Geschwindigkeit ermöglicht.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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