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Ratgeben und Ratnehmen zwischen Selbst- und Fremdoptimierung. Empirische Rekonstruktionen zur Produktion und Rezeption von Ratgebermedien

Fachliche Zuordnung Allgemeine und Historische Erziehungswissenschaft
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 445185102
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Ratgeber sind zu einem festen Teil der Populärkultur in modernen Gesellschaften geworden. Als von rein informierenden oder unterhaltenden Angeboten abgrenzbare Medien setzen Ratgeber an konkreten Fragen, möglichen Problemen oder Defiziten an und stellen Ratsuchenden und anderen potenziell an einem Thema Interessierten unmittelbare Hilfe und Verbesserung ihrer jeweiligen Situation in Aussicht. Als ‚informelle‘ Beratungsformen sind sie nicht selten niedrigschwellig angelegt, vermitteln Wissen in spezifischen medialen Formen und fordern ihre Nutzer*innen zum Handeln auf. Anders als eine professionsspezifisch abgesicherte Beratung stammen Ratgebermedien allerdings häufig aus nicht-professionell zu bewertenden Kontexten. Im Netzwerk wurden über drei Jahre hinweg und auf vier Arbeitstreffen sowie in einer Arbeitsgruppe, die sich mit Forschungsmethoden und -ethik auseinandergesetzt hat, populäre Ratgebermedien aus verschiedenen Perspektiven erforscht. Grundlegendes Ziel war es, die subjektiven Perspektiven und die Inanspruchnahme der Rezipient*innen (Ratnehmen) sowie Angebote der Produzent*innen (Ratgeben) zu erfassen, um den Forschungsstand um empirische Erkenntnisse über Ratgebermedien insbesondere für Eltern, Lehrkräfte sowie Kinder und Jugendliche zu erweitern. Ergänzt wurde die Inanspruchnahmeperspektive im Netzwerk um die Nutzung von Ratgebermedien durch frühpädagogische Fachkräfte. Sechs Mitglieder des wissenschaftlichen Netzwerks haben auf dem Kongress der Deutschen Gesellschaft für Erziehungswissenschaft 2022 an der Universität Bremen Zwischenergebnisse der Netzwerkarbeit in einem Symposium mit dem Titel „Entgrenztes Wissen? Pädagogische Ratgeber im Fokus der Erziehungswissenschaft“ vorgestellt. Die sich aus dem Netzwerk entwickelte Arbeitsgruppe hat 2023 ein Sonderheft der Fachzeitschrift „Bausteine Forschungsdatenmanagement“ herausgegeben. 2024 ist ein Sammelband mit Beiträgen Der Netzwerkmitglieder unter dem Titel „Empirische Ratgeberforschung. Forschungszugänge und Befunde zu Produktion, Angebot und Inanspruchnahme ratgeberhafter Medien“ erschienen. Mehrere Einzelveröffentlichungen in Fachzeitschriften und Sammelbänden ergänzen die Ergebnisse des Gesamtprojekts. Das Netzwerk hat eigenständige Forschungszugänge und Theorien zu Ratgebermedien entwickelt. Auf der Angebotsseite wurden zahlreiche Analysen zu Ratgebermedien für Eltern, Lehrkräfte und Kinder analysiert – darunter insbesondere buchförmige Ratgeber, aber auch Elternforen, Blogs und die das Onlinenetzwerk Instagram. Auf der Seite der Inanspruchnahme wurden sowohl die Auswahlmotive als auch die Nutzung von Ratgebern durch Kinder, Eltern und frühpädagogische Fachkräfte untersucht. Im Verlauf der Netzwerkarbeit wurde rasch deutlich, dass sich trotz des Wandels der medialen Formate von Ratgebern im 20. und 21. Jahrhundert Gemeinsamkeiten zu traditionellen Ratgeberbüchern zeigen. Hierfür haben drei Studien im Netzwerk, die historisch gewordene Ratgeber untersuchten, Indizien geliefert. Im Ergebnis konnte ein Vorschlag entwickelt werden, wie verschiedene zur Handlung auffordernde mediale Formate als Ratgebermedien eingeordnet werden können. In Bezug auf die Anzahl empirischer Forschungsarbeiten, die Gegenstandsbestimmung im Kontext von Ratgebermedien sowie ihre Identifikationsmerkmale und auch im Hinblick auf methodologische Erkenntnisse hat das Netzwerk einen grundlegenden Beitrag zur Weiterentwicklung eines sich etablierenden sozialwissenschaftlichen Forschungsfeldes geleistet.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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