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Ein 'goldener Maßstab' für institutionelle Beurteilungen? Eine Operationalisierung und Erklärung politischer Verzerrungen in einer großen Anzahl von Evaluationsberichten internationaler Organisationen

Fachliche Zuordnung Politikwissenschaft
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 445467518
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses Forschungsprojekt untersuchte den Einfluss politischer Faktoren auf Evaluationsprozesse in internationalen Organisationen (IOs). Evaluationen dienen als Instrumente der Rechenschaftspflicht und des Lernens, doch es gibt Bedenken hinsichtlich ihrer Neutralität und Unabhängigkeit. Während frühere Studien weitgehend auf wahrnehmungsbasierte Evidenz setzten, analysierte diese Untersuchung systematisch den Inhalt von Evaluationsberichten, um zu prüfen, ob politische Verzerrungen die Ergebnisse und Empfehlungen beeinflussen. Im Zentrum des Projekts stand die quantitative Inhaltsanalyse von 1.082 Evaluierungsberichten. Auf der Grundlage neuartiger Konzeptualisierungen von politischen Verzerrungen und unter Verwendung eines modernen BERT-Sprachmodells wurden fast eine Million Sätze aus diesen Berichten als positiv, neutral oder negativ klassifiziert. Zusätzlich wurden die Empfehlungen in einer Stichprobe von 240 Evaluierungsberichten hinsichtlich der Art und Tiefe der Empfehlungen manuell kodiert. Die Ergebnisse zeigen, dass die Evaluationsbefunde – also die Einschätzungen der IO-Leistung – keine systematischen Verzerrungen aufweisen, die darauf zurückzuführen wären, ob Evaluationsabteilungen (hinsichtlich Budget, Personal und Agenda) von der IO-Verwaltung oder von Mitgliedstaaten kontrolliert werden. Die Evaluationsempfehlungen hingegen spiegeln Stakeholder-Einflüsse wider. Berichte aus Evaluationsabteilungen, die unter IO-Verwaltung stehen, enthielten breitere, weniger spezifische Empfehlungen, die eher eine Erhöhung der Organisationsressourcen begünstigten und zusätzliche Kontrollmechanismen vermieden. Im Gegensatz dazu waren Evaluationen, die unter der Kontrolle von Mitgliedstaaten standen, gezielter und stärker auf die Stärkung von Rechenschaftsmechanismen ausgerichtet. Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Rolle der auftraggebenden Einheit. Evaluationen, die von dezentralen operativen Einheiten in Auftrag gegeben wurden, welche eng in die Projekt- und Programmdurchführung eingebunden sind, fielen systematisch positiver aus als jene, die von unabhängigen zentralen Evaluationsabteilungen durchgeführt wurden. Dies legt nahe, dass dezentrale Evaluationen direktem oder indirektem Druck unterliegen könnten, ihre Ergebnisse in einem günstigeren Licht darzustellen. Alle Daten und das Sprachmodell wurden veröffentlicht. Die inhaltlichen Ergebnisse wurden auf Konferenzen vorgestellt und in einem Buch bei Oxford University Press und in führenden politikwissenschaftlichen Zeitschriften (mit peer-review) veröffentlicht. Darüber hinaus zeichnete sich das Projekt durch einen intensiven Austausch mit Praktiker:innen aus. Regelmäßige Konsultationen fanden mit Evaluationsfachleuten aus dem UN-System und nationalen Entwicklungsagenturen statt. Zentrale Ergebnisse wurden der UN Evaluation Group vorgestellt und im Rahmen verschiedener Fachnetzwerke geteilt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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