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Modellbasiertes Netzschutzverfahren zur Fehlererkennung und -ortung in stromrichtergespeisten Netzen

Fachliche Zuordnung Elektrische Energiesysteme, Power Management, Leistungselektronik, elektrische Maschinen und Antriebe
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 445474706
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Durchdringung der Netze mit Stromrichtern als Energiequelle und -senke nimmt unaufhaltsam zu. Dies beeinflusst alle Betriebsmittel und verändert das Verhalten des Netzes im Normalbetrieb und im Störungsfall, so auch das der Netzschutztechnik. Dies macht die Weiterentwicklung der Netzschutzalgorithmen notwendig. Das vorliegende Forschungsprojekt untersucht eine neuartige Netzschutzlösung mit modellbasierten Algorithmen ("model-based protection"). Grundlage sind die Netzmodelle des störungsfreien Betriebs sowie aller zu erkennenden Störungsszenarien im Zustandsraum, einschließlich unterschiedlicher Fehlerorte. Die grundsätzliche Idee besteht nun darin, Messwerte und Schätzwerte der vorhandenen Netzmodelle miteinander zu vergleichen. Der Schätzfehler quantifiziert die Passgüte der hinterlegten Netzmodelle und erlaubt so auf Basis des Netzmodells mit dem geringsten Schätzfehler Rückschlüsse auf den tatsächlich vorherrschenden Netzzustand und ermöglicht so die selektive Fehlerklärung. Es handelt sich hierbei um eine zentrale Schutzlösung im Zeitbereich. Dieser Ansatz ist damit vorteilhaft anwendbar in digitalen Schaltanlagen mit Prozessbus und kann daher auch als sogenannter "Hyper-Differentialschutz" bezeichnet werden. Die Signalverarbeitung im Zeitbereich macht den Algorithmus unabhängig vom Quellenverhalten sowie von der Stromrichterregelung und ist daher in Netzen mit hoher oder sogar vollständiger Durchdringung mit Stromrichtern besonders geeignet. Die modellbasierte Schutzlösung wurde zudem mit einer Methode zur Begrenzung der Kurzschlussströme von Stromrichtern im transienten und im stationären Betrieb ergänzt. Zur Begrenzung im transienten Zeitbereich wurden Aspekte der modellprädiktiven Regelung verwendet und eine geeignete Kostenfunktion definiert. Durch die Vorausberechnung des stationären Zustandes und der Überprüfung anvisierter Arbeitspunkte werden überdies Leiterströme im eingeschwungenen Zustand begrenzt. Diese neuartige Methode zur Strombegrenzung erhöht insbesondere die Resilienz von netzbildenden Stromrichtern gegenüber Netzfehlern. Die Zerstörung von Leistungshalbleiterbauelementen infolge der Überschreitung von thermischen Stromgrenzen werden so vermieden. Alle Regelungs- und Schutzalgorithmen wurden analytisch entwickelt und in zahlreichen Simulationsszenarien in der Softwareumgebung MATLAB/Simulink sowie in der Laborumgebung am Lehrstuhl für elektrische Energiesysteme der FAU in Erlangen erfolgreich getestet. Die modellbasierte Schutzlösung hat in stromrichtergespeisten Netzen und digitale Schaltanlagentechnik wesentliche Vorteile gegenüber konventioneller Netzschutz und besitzt daher hohes Anwendungspotential in zukünftigen de-karbonisierten Netzen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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