Detailseite
Projekt Druckansicht

Akademische Freiheit, globalisierte Wissenschaft und der internationale Aufstieg des autoritären Chinas

Fachliche Zuordnung Politikwissenschaft
Asienbezogene Wissenschaften
Öffentliches Recht
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 448410770
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses multidisziplinäre Projekt (Rechtswissenschaft und Politikwissenschaft) untersuchte und theoretisierte die Perspektiven und Entscheidungen von Akteuren aus Großbritannien und Deutschland in ihrer akademischen Zusammenarbeit mit Partner/innen im autoritären China. Gleichzeitig wurden Reaktionen auf unzulässigen Einfluss und Verletzungen der akademischen Freiheit aus einer normativen, rechtsbasierten Perspektive erforscht. Die juristische Analyse erfolgte vornehmlich am KCL, während sich das Team an der FAU auf empirische Forschung konzentrierte. Die erhobenen Interview- und Umfragedaten weisen auf repressive Praktiken des chinesischen Parteistaats in den untersuchten Ländern hin; jedoch sind nicht alle Wissenschaftler/innen hiervon gleichermaßen betroffen. Aufgrund ihrer besonderen Exponiertheit wurde die Situation emigrierter Wissenschaftler/innen aus der Sonderverwaltungszone Hongkong gesondert untersucht. Dabei wurden sowohl Erfahrungen von sowie Widerstand gegen Repression dokumentiert. Wissenschaftler/innen in deutschsprachigen Chinaforschungsnetzwerken wiederum erleben harte Repressionen nur vereinzelt, wobei die sogenannten weichen Repressionen häufiger vorkommen, wie aus den Umfragedaten hervorgeht. Zudem scheint die Sorge vor zukünftiger Repression die bisherigen, gelebten Repressionserfahrungen zu übertreffen. Diese Sorgen könnten Anreiz für Selbstzensur unter Chinawissenschaftler/innen sein, wobei die Umfrage differenzierte Reflektionen zur Selbstzensur und ihrer Eindämmung dokumentierte. Unsere Untersuchungen der Perspektiven und Entscheidungen von Chinawissenschaftler/innen an deutschen und britischen Universitäten deuten auf ein wachsendes Risikobewusstsein vis-àvis der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit dem autoritären China hin. Eine bestehende Konzeptionalisierung von extraterritorialen autoritären Praktiken und das sogenannte EVLN-Kategorienschema (Exit, Voice, Loyalty und Neglect) strukturierten die Analyse der Interviewdaten. Hierauf basierend schlussfolgern Projektmitglieder, dass individuelle Forschende und wissenschaftliche Einrichtungen in ihrer Zusammenarbeit mit Partner/innen aus der Volksrepublik unterschiedlichen Druck erleben, der einige zum „Exit“ (Rückzug) veranlasst, während andere „Voice“ (Stimme) erheben, d. h. Partnerschaften anpassen. Diesen aktiven Entscheidungen zum „Exit“ oder zur „Voice“ gehen oft Phasen passiven Verhaltens voraus, die entweder von „Loyalty“ (Loyalität) oder „Neglect“ (Vernachlässigung) geprägt sind. Werden aktive Entscheidungen nötig, erheben „loyale“ Akteure eher „Stimme“, während diejenigen, die ihre Zusammenarbeit mit chinesischen Institutionen zuvor „vernachlässigt“ haben, zum „Exit“ tendieren.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung