Detailseite
Projekt Druckansicht

Die Maximalausdehnung des weichselizeitlichen Skandinavischen Inlandeises an seiner südwestlichen Peripherie – ein mehrphasiger Akt?

Antragsteller Professor Dr. Heiko Hüneke, seit 4/2024
Fachliche Zuordnung Paläontologie
Physische Geographie
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 448438003
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Dynamik des Fennoskandischen Eisschildes (FIS) während der Weichsel-Kaltzeit (115–12 ka), mit mehreren Vorstoß- und Rückzugsphasen, spielte eine entscheidende Rolle bei der Gestaltung der Landschaft in der südwestlichen Ostseeregion. Die Gletscher hinterließen ein breites Spektrum an Ablagerungen wie subglaziale Tills und glazifluviale Sande, die nicht nur als Indikatoren für vergangene klimatische Bedingungen dienen, sondern auch heutige sozioökonomische Faktoren beeinflussen. Das Verständnis der Wechselwirkungen zwischen der Dynamik des Gletschereises und den klimatischen Signalen verbessert unsere Fähigkeit, zukünftige Klimaszenarien vorherzusagen. Die Datierung von Gletscherablagerungen mit Methoden wie der Lumineszenz-Datierung und die Analyse stratigraphischer Sequenzen liefern wichtige Erkenntnisse zum zeitlichen Ablauf der Vorstoß- und Rückzugsphasen des FIS. Dies ermöglicht die Rekonstruktion des zeitlichen Zusammenhangs zwischen Klimaereignissen und Gletscherbewegungen und gibt Aufschluss über die Wechselwirkungen zwischen Eisschilden und Umwelt. Ziel des Projekts war es, die Dynamik des Eisschildes und die Verlagerung der zugehörigen Ablagerungsräume in der südwestlichen Ostseeregion während der letzten Eiszeit (Weichsel- Kaltzeit) besser zu verstehen. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem zeitlichen Verlauf und der Dynamik der lokalen Eisausdehnung während des Letzten Glazialen Maximums (LGM) in Nordostdeutschland. Zusätzlich wurde in der Studie nach Hinweisen auf einen weichselzeitlichen Eisvorstoß in das Untersuchungsgebiet vor dem LGM gesucht. Zu diesem Zweck erfolgten Geländearbeiten, sedimentologische Analysen und geochronologische Untersuchungen an mehreren Schlüsselstandorten entlang der Ostseeküste sowie in Sandgruben in Mecklenburg-Vorpommern. Diese Arbeiten lieferten Einblicke in die Ablagerungsprozesse und die paläogeografischen Entwicklungen der letzten 115.000 Jahre. Die Ergebnisse tragen maßgeblich zu regionalen stratigraphischen Modellen bei und bieten neue Perspektiven auf den zeitlichen Verlauf und die Dynamik von Gletscher-Vorstoß- und – Rückzugs-Phasen im nördlichen Mitteleuropa. Basierend auf Untersuchungen im westlichen Teil von Mecklenburg-Vorpommern (MV) konnten wir nachweisen, dass die lokale maximale Eisausdehnung zwischen 24 und 22 ka erreicht wurde. Dieser Befund steht im Einklang mit Ergebnissen von der Halbinsel Jasmund. Wir fanden in den untersuchten Aufschlüssen allerdings keine Hinweise auf einen Eisvorstoß, der MV am Ende des Marinen Isotopenstadiums 3 (spätes MIS 3) erreichte. Weiter südlich in Brandenburg gibt es jedoch Hinweise darauf, dass die lokale LGM-Eisausdehnung während des späten MIS 3 erreicht wurde. Dies deutet auf eine diachrone maximale Eisausdehnung während der letzten Eiszeit in Deutschland hin: Zwei unterschiedliche Eisloben bzw. Eisvorstöße – einer während des späten MIS 3 (35–30 ka) und ein weiterer während des MIS 2 (24–22 ka) – bildeten den heute existierenden, zusammenhängenden Endmoränenkomplex, der zuvor als Ergebnis des Haupteisvorstoßes während MIS 2 interpretiert wurde.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung