Männlichkeiten im Umbau: Männerkörper zwischen phallischen und post-phallischen Visionen in der Kunst seit 1970
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt konnte trotz der durch die Corona-Pandemie bedingten teilweisen Reiseeinschränkungen vollumfänglich realisiert werden. Die ursprünglichen Themenbereiche wurden um ein weiter ausdifferenziertes Verständnis für queere Männlichkeitsentwürfe in der zeitgenössischen Kunst erweitert, wodurch als Ergebnis wiederum die ursprünglich für das Projekt aufgestellten Thesen um den Bereich der „verletzlichen Männlichkeiten“ erweitert werden konnten. Weiterhin konnte wie geplant im dritten Jahr der Förderperiode der Sammelband „Under Construction. Kunst, Männlichkeiten und Queerness seit 1970“ vorbereitet werden, in dem neben einer gemeinsamen Einleitung thematische Aufsätze der Projektleiterin Änne Söll sowie der beiden wissenschaftlichen Mitarbeiterinnen Maike Wagner und Katharina Boje zu finden sind. Diese sowie die weiteren enthaltenen Aufsätze basieren auf dem intensiven wissenschaftlichen Austausch bei den drei durchgeführten Workshops. Der Sammelband ist im Frühjahr 2024 beim Verlag DeGruyter erschienen. Auf Basis der gemeinsamen Projektaktivitäten konnte die Kategorie „Männlichkeiten“ für den Bereich der Kunstgeschichte diskursiv erweitert werden. Während global weiterhin phallische und traditionalistische Männlichkeitsmodelle sowie ihr Wiedererstarken zu beobachten sind, können in der zeitgenössischen Kunst wie erwartet differenziertere Visionen aktueller Männlichkeiten ausgemacht werden, die mit heteronormativen und hegemonialen Männlichkeitsvorstellungen brechen. So kann in den letzten Jahren in der Kunst eine diskursive Öffnung des Begriffs „Männlichkeit“ hin zu fluideren und weniger binären pluralistischen Identitätsmodellen beobachtet werden, auch wenn Verweise auf den Künstler als phallisch-machtvoll schöpferisch-kreativ weiterhin vorhanden bleiben. Gerade queere und postphallische Männlichkeitsentwürfe tragen so dazu bei, den Konnex zwischen männlichem Künstler und phallischer Macht weiter zu hinterfragen und zu dekonstruieren und stattdessen Modelle anti-hegemonialer Autorschaft oder eines selbstreflexiven Umgangs mit der Kategorie Geschlecht vorzustellen. Es konnte durch das Forschungsprojekt dazu beigetragen werden, Männlichkeitenforschung als relevante Kategorie innerhalb einer intersektional und geschlechtergeschichtlich orientierten Kunstgeschichte weiter zu verankern bzw. für den Bereich der Kunst seit 1970 im deutschsprachigen Raum überhaupt erst zu etablieren. Der Sammelband stellt so einen der ersten Ansätze dar, Männlichkeiten in der zeitgenössischen Kunst dezidiert zu betrachten und unterschiedliche künstlerische Männlichkeitsentwürfe miteinander und mit historischen Entwicklungen seit den 1970ern in Bezug zu setzen. Gerade angesichts zunehmender gesellschaftlicher Debatten um potentiell schädliche Eigenschaften und Auswirkungen einer hegemonialen Männlichkeitsrolle stellen die Ergebnisse des Forschungsprojekt damit einen notwendigen und diversifizierenden Gegenpol gegen populistische Verallgemeinerungen und den damit einhergehenden Genderbacklash dar.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Optimierte Männlichkeit(en). Über die technologische, medizinische und mediale Verbesserung des Männerkörpers (Tagungsbericht), in: Berghahn, Dr. Sabine; Schultz, Ulrike (Hgg.): Rechtshandbuch für Frauen- und Gleichstellungsbeauftragte, Hamburg 2021
Söll, Änne
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Some faggy gestures. Queere Perspektiven der Kunstgeschichte. Queerness in der Kunst der Frühen Neuzeit?, 31-36. Böhlau Verlag.
Söll, Änne
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Gamechanger. Under Construction, 110-124. De Gruyter.
Söll, Änne
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Postheroische Männlichkeiten?. Under Construction, 137-146. De Gruyter.
Boje, Katharina
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Posthumane Männlichkeiten. De Gruyter.
Hoffmeister, Maike
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Queere Prothesenwesen. Under Construction, 85-96. De Gruyter.
Wagner, Maike
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Under Construction – Männlichkeiten im künstlerischen Umbau seit 1970. Eine Einleitung. Under Construction, 7-20. De Gruyter.
Söll, Änne; Wagner, Maike & Boje, Katharina
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Under Construction. De Gruyter.
Söll, Änne; Wagner, Maike & Boje, Katharina
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Bottom Up: The Jockstrap as contradictory signifier of male potency and vulnerability. in: Ben Barry (Hg.): Handbook of Men’s Fashion, Intellect books
Söll, Änne & Wandhoff, Christian
