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Verrechnungsprinzipien und Mechanismen der Himmelskompass-abhängigen Kopfrichtungskodierung in der Wüstenheuschrecke

Fachliche Zuordnung Kognitive, systemische und Verhaltensneurobiologie
Experimentelle und theoretische Netzwerk-Neurowissenschaften
Förderung Förderung von 2020 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 452193090
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Orientierung im Raum ist von grundlegender Bedeutung für alle Tiere, insbesondere aber für Arten wie Insekten und Wirbeltiere, die in der Lage sind, große Distanzen in kurzer Zeit zu überwinden. Lokale wie globale Hinweise, sowie interne Signale erlauben es diesen Tieren, innerhalb und jenseits ihrer bekannten Umgebung effizient zu navigieren, zu einem Nest zurückzufinden, oder zielgerichtete saisonale Wanderungen auszuführen. Bei Insekten spielt der Zentralkomplex eine zentrale Rolle in der Navigationskontrolle. Er erhält eine Vielzahl sensorischer Eingänge in seinen Schichten, und besteht, wie bei Wüstenheuschrecken und Fruchtfliegen gezeigt, aus Reihen von Kolumnen, die zusammen eine interne Repräsentation des Raumes um das Tier bilden (Kopfrichtungs-Kodierung). Wüstenheuschrecken sind saisonal wandernde Insekten. Kompass-Kodierung im Zentralkomplex der Heuschrecke basiert weitgehend auf der Position der Sonne, genauer, dem Sonnenazimut und dem zugehörigen Polarisationsmuster des Himmels. Während Modellierungen basierend auf Daten der Fliege Drosophila einen Ringattraktor-Mechanismus vorschlagen, um den internen Kompass im Zentralkomplex zu erklären, sind die Mechanismen der Kompassbildung und seiner Änderungen bei Drehungen des Tieres bei der Heuschrecke weniger gut verstanden. Mehrere deutliche Unterschiede in der neuronalen Organisation des Zentralkomplexes zwischen der Fliege und der Heuschrecke veranlassten uns dazu, in Modellen zu testen, ob eine stabile Repräsentation der Kopfrichtung im Zentralkomplex der Heuschrecke generiert werden kann und wie Verschiebungen in dieser Repräsentation bei Drehbewegungen des Tieres zustande kommen können. Die Modellierung zeigte, dass das neuronale Netzwerk im Zentralkomplex der Heuschrecke eine robuste Kodierung der Kopfrichtung ermöglicht. Es kann zielgerichtete Kommandos auch bei Störungen wie simulierten Windstößen generieren. Anders als bei Drosophila ergab sich aber keine Lösung für Verschiebungen des Aktivitätsmaximums im Kompass bei Rechts- oder Linksdrehungen durch einen Feedforward-Prozess, sondern erforderte Drehrichtungs-abhängige Neuromodulation. Die Modellierungsparameter basierten weitgehend auf den physiologischen und morphologischen Eigenschaften der Zentralkomplexneurone. Kolumnäre Neurone des Zentralkomplexes, die empfindlich auf Eigendrehungen reagierten, wurde in der Heuschrecke identifiziert und scheinen homolog zu drehempfindlichen Neuronen der Fliege zu sein. Zusammen genommen zeigen die Daten und Modellierungen, dass zielgerichtete Steuerung mit einem neuronalen Netzwerk basierend auf Daten der Wüstenheuschrecke möglich ist.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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