Detailseite
Projekt Druckansicht

Amerikanischer Realismus im frühen 20. Jahrhundert

Fachliche Zuordnung Geschichte der Philosophie
Förderung Förderung von 2020 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 453466855
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Im Unterschied zum amerikanischen Pragmatismus ist der amerikanische philosophische Realismus nicht sonderlich gut erforscht. Die Blütezeit der amerikanischen realistischen Bewegung waren die ersten vier Jahrzehnte des 20. Jahrhunderts. Man kann im Wesentlichen zwischen drei Spielarten differenzieren: a) dem direkten Realismus, b) dem kritischen Realismus, c) dem funktionalen Realismus. Es war das hauptsächliche Ziel meines Projekts, die komplexen Beziehungen zwischen diesen drei Spielarten zu erforschen. Die zentrale Arbeitshypothese lautete, dass der amerikanische Realismus sich an dem Konzept mentaler Repräsentation ausrichtete. Es wurde versucht herauszuarbeiten, dass der direkte Realismus sich über die ausdrückliche Zurückweisung des Konzepts mentaler Repräsentation gewissermaßen selbst definierte, während der kritische und der funktionale Realismus, wenngleich in grundsätzlicher Übereinstimmung bezüglich der Wichtigkeit dieses Konzepts, zu stark voneinander abweichenden Folgerungen bezüglich seiner explanatorischen Rolle in der Erkenntnistheorie gelangten. Um diese Annahme zu untermauern, konzentrierte ich mich auf die jeweiligen, von den amerikanischen Realisten in Anschlag gebrachten Konzeptionen von Wahrnehmung, Bewusstsein und Philosophie im Allgemeinen. Anhand der einschlägigen Arbeiten von Ralph Barton Perry (1876 – 1957), William Pepperrell Montague (1873 – 1953), Edward Gleason Spaulding (1873 – 1940), Edwin B. Holt (1873 – 1946), C. A. Strong (1862 – 1940), George Santayana (1863 – 1952), Roy Wood Sellars (1880 – 1973) und John Elof Boodin (1869 – 1950) wurde versucht, die charakteristischen Merkmale und vor allem auch die Unterschiede zwischen den verschiedenen realistischen Ansätzen zu bestimmen. Dabei erwiesen sich die beiden folgenden Fragen als entscheidend: 1) In welchem Verhältnis stand der amerikanische Realismus zum amerikanischen Pragmatismus? 2) An welchem Punkt genau begannen direkter, kritischer und funktionaler Realismus in Bezug auf die vorherrschenden erkenntnistheoretischen Fragen von Wahrnehmung und Bewusstsein getrennte Wege zu gehen? In methodischer Hinsicht zielte das Projekt auf eine historisch akkurate, teils auf bisher unveröffentlichtem Archivmaterial gestützte Rekonstruktion in Verbindung mit der kritischen Beurteilung der vonseiten der Vertreter der jeweiligen realistischen Strömungen vorgebrachten zentralen Argumente. Überdies wurde eine gehaltvolle Kontextualisierung vorgenommen durch Berücksichtigung des den amerikanischen Realismus umgebenden, durch behavioristische und Gestaltpsychologie sowie Evolutionsbiologie geprägten wissenschaftlichen Umfelds. Der zu erwartende Erkenntnisgewinn des Projekts lag in der Bereitstellung eines zuverlässigen komparativen Überblicks über eine der aufschlussreichsten programmatischen Episoden der amerikanischen Philosophiegeschichte. Überdies wurden Bezüge zur gegenwärtigen Erkenntnistheorie und Philosophie des Geistes sowie zu den europäischen Wurzeln des amerikanischen Realismus hergestellt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung