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Lokale Translation an neuronalen Mitochondrien

Fachliche Zuordnung Molekulare Biologie und Physiologie von Nerven- und Gliazellen
Molekulare und zelluläre Neurologie und Neuropathologie
Zellbiologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 453679203
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Mitochondrien sind die “Kraftwerke der Zelle” und leisten dadurch einen immensen Beitrag zur Fähigkeit unserer Nervenzellen, Informationen im Gehirn zu verarbeiten. Mitochondrion beeinflussen die neuronale Funktion nicht nur durch die Bereitstellung des Energiespeichers ATP, sondern nehmen auch Ca2+ Ionen auf, welche eine wichtige Signalfunktion in der Zelle haben. Allerdings sind beschädigte Mitochondrien eine Gefahr für die Zelle und müssen durch einen speziellen Prozess namens Mitophagie beseitigt werden. Einer der Akteure im Mitophagie- Programm ist das Protein PINK1, und Mutationen im PINK1 Gen führen zu erblichen Formen der Parkinson’schen Erkrankung. Wir konnten in vorhergehenden Studien zeigen, dass die Pink1 mRNA, die vom PINK1 Gen abgelesen wird, zusammen mit Mitochondrien transportiert wird um lokal eine Quelle für die PINK1 Protein Synthese bereitstellen zu können. Dies geschieht durch Bindung an einen Proteinkomplex, der das Proteins SYNJ2BP enthält. In diesem Projekt haben wir die Auswirkungen des Verlustes der Interaktion der Pink1 mRNA auf die neuronal Funktion untersucht und überprüft, wo in der Zelle die PINK1 Produktion stattfindet. Zwei wichtige Entdeckungen wurden gemacht: (1) Der Verlust von SYNJ2BP verändert die Fähigkeit von Neuronen, Ca2+ Ionen zu verwahren, und (2) das PINk1 Protein wird an ER-ständigen Ribosomen translatiert sobald die mRNA von den Mitochondrien abgelöst wird. Die erste Entdeckung hilft uns zu versstehen, wie Mitochondrien und deren Positionierung innerhalb der Nervenzelle die Fähigkeit beeinflussen, Signale an Nachbarzellen weiter zu geben. Dies ist wichtig im Zusammenhang mit der Tatsache, dass ein überschießendes Ca2+ Signal zum Tod der Zelle führen kann, was z.B. bei neurodegenerativen Erkrankungen beobachtet wird. Die Modulation der Ca2+ Verwahrung innerhalb der Zelle könnte dazu genutzt werden, das Überleben von Neuronen zu verlängern und Krankheitsprozesse, bei denen es zum Absterben von Neuronen kommt, zu verlangsamen. Die zweite Entdeckung fügt weitere molekulare Einzelheiten zu dem Mechanismus der Aktivierung von PINK1 für die mitochondriale Qualitätskontrolle hinzu. Die Notwendigkeit, die Pink1 mRNA erst vom Mitochondrium abzulösen und die Synthese an einer anderen Organelle schafft Distanz zwischen dem Ort der Synthese und der mitochondrialen Import-Maschinerie. Dies könnte eine partielle Faltung des PINK1 Vorläufers erlauben, welche für dessen partiellen Import in Mitochondrien nötig ist. Wir konnten zeigen, dass ein Verhindern des Ablösens der Pink1 mRNA z.B. durch eine Veränderung der zellulären Signalwege über die Anwesenheit von ApoE4 gegeben ist, einem Risikofaktor für die Entstehung der Alzheimer‘schen Krankheit. Dies führt dazu, dass die Neuronen nicht mehr adäquat auf mitochondrialen Stress reagieren können. Dies erlaubt eine mechanistische Verknüpfung zwischen ApoE4 und der Anhäufung von beschädigten Mitochondrien, welche oft bei der Alzheimer’schen Krankheit beobachtet werden kann.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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