Komplizität: Einfaltungen und Entfaltungen
Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Praktische Philosophie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die Arbeit in diesem Netzwerk mündete in zwei Sammelbänden (in Begutachtung). Der erste, mit dem Titel Complicity: Enfoldings and Unfoldings, untersucht das Konzept der Komplizität in Anlehnung an Mark Sanders im Lichte seiner etymologischen Wurzeln als „Zusammengefaltetsein“. Diese Konzeptualisierung betont, dass Individuen häufig in Systeme der Ungerechtigkeit verstrickt sind; dass Komplizität tief in unseren Identitäten und sozialen Strukturen verwurzelt ist; dass Ideologien als virtuelle Augenbinden (blind-folds) dienen können; und dass Komplizität und Widerstand innerhalb solcher Strukturen oft ineinander gefaltet sind. Der Band basiert auf der Annahme, dass das Erkennen und Adressieren von Komplizität eine Voraussetzung für das Erreichen sozialer Veränderungen ist. Beitragende aus verschiedenen Disziplinen bieten daher Einblicke darin, wie Komplizität unsere Handlungen und Narrative prägt und wiederum von ihnen geprägt wird. Narrative in verschiedenen Medien werden sowohl im Hinblick darauf untersucht, wie sie komplizitäre ‚Einfaltungen‘ abbilden und entlarven, als auch darauf, wie sie das ermöglichen, was John Storey „a radical unfolding“ („eine radikale Entfaltung“) nennt (2019). Die Autor*innen untersuchen verschiedene Arten von Komplizität, wie etwa alltägliche Komplizität, systemische Komplizität und vorsätzliche Ignoranz, und der Band behandelt ein breites Spektrum von Kontexten, vom Totalitarismus als klassischem Anliegen von Komplizitätsstudien bis hin zu aktuellen Themen wie Gamifizierung, Minimalismus, Anti-Abtreibungsrhetorik und anthropogenem Klimawandel. Die bisherige akademische Forschung zu Komplizität und Täterschaft wurde maßgeblich von der westlichen Rechts- und Moraltheorie beeinflusst. Ein bestimmendes Merkmal des 21. Jahrhunderts sind jedoch die globalen Verflechtungen – eine andere Art der Einfaltung –, die Mobilität und Austausch ermöglichen, aber auch Ungleichheit und Ausbeutung mit sich bringen. Der zweite Band, Global Complicities: Connections and Legacies, erweitert daher den Umfang der Komplizitätsforschung im Kontext einer vernetzten Welt, indem er Fallstudien aus einer Vielzahl geografischer Standorte untersucht und den Schwerpunkt auf transnationale Beziehungen legt. Dieser Band behandelt Bereiche und Themen wie humanitäre Hilfe, Sanktionen und globale Sicherheit, die Umwelt, das politische Klima nach dem 11. September und die COVID-19-Pandemie.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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“‘Skin in the Game’: Complicity and Queer Utopianism”. Coils of the Serpent 10: 153–69
Wächter, Cornelia
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Mehr als nur Frühstück ans Bett: Objektivierung vs. posthumane Kollektivverantwortung in Channel 4s Humans. Open Gender Journal 8 (March)
Wächter, Cornelia
