Perfektionismus als transdiagnostischer Prozess: Untersuchung von Perfektionismus als Risikofaktor mehrerer Arten von Psychopathologie
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Der Fokus dieses Projekts war die Erforschung von Perfektionismus als ein möglicher “transdiagnostischer Prozess” in der Psychologie. Dahinter steht die Annahme, dass bestimmte Prozesse an der Entstehung und Aufrechterhaltung vieler verschiedener psychischer Störungen beteiligt sind. Studien legen nahe, dass Perfektionismus ein solcher transdiagnostischer Prozess sein könnte. Bisher fehlen jedoch Nachweise dafür, dass Perfektionismus nicht nur gleichzeitig mit Symptomen auftritt, sondern sie auch vorhersagen oder bedingen kann. Um dies zu prüfen, wurden mehrere Studien durchgeführt. In einer Online-Studie wurden 499 Teilnehmerinnen über ein Jahr hinweg mehrmals zu ihrem Perfektionismus und verschiedenen psychischen Symptomen befragt. Es zeigte sich, dass Perfektionismus in sogenannten Symptomnetzwerken eine zentrale Vermittlerrolle übernimmt. Dabei erwies sich eine bestimmte Komponente von Perfektionismus als besonders relevant: perfektionistische Sorgen. Personen mit perfektionistischen Sorgen haben Angst davor, Fehler zu machen, und kritisieren sich bei diesen selbst. Perfektionistische Sorgen stellten eine Brücke zwischen Symptomen verschiedener Störungen dar. Außerdem teilten perfektionistische Sorgen eine starke negative Verbindung mit dem Selbstwert, der umso geringer ausfiel, je stärker die perfektionistischen Sorgen ausgeprägt waren. Darüber hinaus sagten perfektionistische Sorgen nur Zwangssymptome, nicht jedoch Essstörungssymptome voraus. Neben der Frage nach der Vorhersagekraft von Perfektionismus wurde auch untersucht, warum zwei ähnlich perfektionistische Personen unterschiedliche Störungen entwickeln. In zwei experimentellen Studien mit 260 Teilnehmerinnen wurde Perfektionismus gemessen und anschließend entweder Körperunzufriedenheit oder überhöhtes Verantwortungsgefühl induziert. Es wurde erwartet, dass bei stärkerem Perfektionismus in der Körperunzufriedenheitsbedingung mehr Essstörungssymptome und in der Verantwortungsgefühl-Bedingung mehr Zwangsstörungssymptome auftreten würden. Diese Annahmen konnten jedoch nicht bestätigt werden. Stattdessen sagte Perfektionismus störungsübergreifend Symptome vorher, wobei besonders die Effekte perfektionistischer Sorgen konsistent waren. Zusammenfassend konnte das Projekt zeigen, dass Perfektionismus (insbesondere perfektionistische Sorgen) mit stärkeren psychischen Symptomen verschiedener Störungen in Zusammenhang steht. Allerdings ist die Vorhersagekraft von Perfektionismus für psychische Symptome nicht so breit wie erwartet. Die Frage, wie man erklären könnte, weshalb Perfektionismus zu unterschiedlichen Störungsbildern führt, bleibt weiterhin unbeantwortet. Die Aussagen der Studienergebnisse sind auf die Stichprobe (psychisch gesunde junge Frauen) beschränkt.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
-
Perfectionism as a Predictor of Treatment Outcome in Third-Wave Group Therapies for OCD. Presentation at the Conference of the European Association for Behavioural and Cognitive Therapies in Barcelona
Claus, N., Miegel, F., Jelinek, L., Landmann, S., Moritz, S., Külz, A.K., Rubel, J. & Cludius, B.
-
Der perfekte Patient? Perfektionismus als Prädiktor für Therapieerfolg bei MBCT und Metakognitivem Training für Zwang. Presentation at Deutscher Psychotherapiekongress in Berlin
Claus, N., Miegel, F., Jelinek, L., Landmann, S., Moritz, S., Külz, A.-K., Rubel, J. & Cludius, B.
-
Perfectionism as Possible Predictor for Treatment Success in Mindfulness-Based Cognitive Therapy and Metacognitive Training as Third-Wave Treatments for Obsessive-Compulsive Disorder. Cognitive Therapy and Research, 47(3), 439-453.
Claus, Nathalie; Miegel, Franziska; Jelinek, Lena; Landmann, Sarah; Moritz, Steffen; Külz, Anne Katrin; Rubel, Julian & Cludius, Barbara
-
Die transdiagnostische Rolle von Perfektionismus: Erkenntnisse aus längsschnittlichen Netzwerkanalysen. Presentation at Deutscher Psychotherapiekongress in Berlin
Claus, N., Limburg, K., Egan, S., Shafran, R., Ehring, T., Takano, K. & Cludius, B.
-
The Transdiagnostic Role of Perfectionism: Insights from Longitudinal Network Analyses in a Young Female Sample. Presentation at the Conference of the Anxiety and Depression Association of America in Boston
Claus, N., Limburg, K., Egan, S., Shafran, R., Ehring, T., Takano, K. & Cludius, B.
-
Zusammenspiel von Perfektionismus und Verantwortungsgefühl in der Entstehung von Zwangssymptomen. Presentation at Deutscher Psychotherapiekongress in Berlin
Claus, N., Limburg, K., Egan, S., Shafran, R., Ehring, T., Takano, K. & Cludius, B.
-
Ich könnte für Schlimmes verantwortlich sein: Experimentelle Manipulation von Verantwortungsgefühl als Faktor in der Entstehung von Zwangssymptomen. Presentation at DPK in Berlin
Claus, N., Limburg, K., Egan, S., Shafran, R., Ehring, T., Takano, K. & Cludius, B.
-
Perfectionism as a risk factor for psychopathology in a community sample of young women: disorder-specific pathways to disordered eating or obsessive-compulsive symptoms. Cognitive Behaviour Therapy, 54(5), 664-684.
Claus, Nathalie; Cludius, Barbara; Egan, Sarah J.; Shafran, Roz; Ehring, Thomas; Takano, Keisuke & Limburg, Karina
