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Kulturen und Kosten der Wartung. Der Aufstieg von Kreosot und sein prekäres Erbe

Antragsteller Dr. Martin Meiske
Fachliche Zuordnung Wissenschaftsgeschichte
Förderung Förderung von 2021 bis 2025
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 457488187
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Dieses Projekt widmete sich aktuellen Forschungsdesideraten in der Technikgeschichte und den Science and Technology Studies zum Thema Wartungs- und Reparaturkulturen. Es rückte die Lebenszyklen von Technik jenseits des etablierten Innovationsfokus ins Zentrum und verband sie mit Fragestellungen der Umwelt- und Stoffgeschichte sowie des New/Neo Materialism. Im Mittelpunkt stand Kreosot, ein aus Steinkohlenteer gewonnenes Öl, das vor allem zur Imprägnierung hölzerner Eisenbahnschwellen verwendet wurde. Die Analyse verfolgte die Geschichte dieses Stoffes vom späten 19. Jahrhundert bis in die Gegenwart in unterschiedlichen historischen Kontexten. Der transnationale Fokus der Studie lag auf Deutschland, Österreich und Großbritannien, berücksichtigte jedoch auch globale Materialflüsse. Eine Geschichte des Kreosots erforderte den Blick auf ein weit verzweigtes Akteursnetzwerk, das mit dem Teeröl interagierte und seine Gewinnung, Nutzung, Umnutzung und Entsorgung mitprägte. Das Projekt beleuchtete die Geschichte der Wartung aus einer transnationalen und longue durée-Perspektive von ca. 1880 bis in die Gegenwart. Das erste Kapitel zeichnete den Aufstieg von Kreosot vom Restprodukt zum begehrten Holzimprägniermittel im ausgehenden 19. Jahrhundert nach. Es diskutierte stoffliche Verflechtungen verschiedener Holzarten und Imprägniermittel und beleuchtete die Konkurrenz zwischen Holz und Eisen in der sogenannten „Schwellenfrage“ um 1900. Es rekonstruierte die Verwissenschaftlichung des Wissens über Holzfäule und Imprägniermittel und untersuchte verschiedene Orte der Wissensproduktion – von Laboren und Fäulniskammern bis hin zu Teststrecken. Kapitel zwei verfolgte den Weg der Schwellen von den Imprägnieranstalten in die Bahngleise, wo sich mit den Arbeiter:innen der Bahnunterhaltung ein neuer Akteurskontext eröffnete. Im Zentrum stand eine Wissensgeschichte, die das Zusammenspiel von Materialwissen, Umweltwissen und soziotechnischem Wissen im Bereich der Wartung nachzeichnete. Untersucht wurden Gemeinsamkeiten und Unterschiede europäischer Wartungskulturen, Transfer- und Adaptionsprozesse sowie Standardisierungsdynamiken. Das dritte Kapitel skizzierte am Beispiel des Teeröls verschiedene europäische Regulierungskulturen und vollzog deren historischen Wandel nach. Das vierte Kapitel analysierte Aushandlungsprozesse rund um die Erkundung und Sanierung von mit der Kreosotierung in Verbindung stehenden Altlastenflächen seit den 1990er Jahren. Das letzte Kapitel widmete sich den Geschichten der Aufbereitung, Umnutzung, Entsorgung und Externalisierung von Altschwellen als toxischem Abfall. Kulturen und Kosten der Wartung ist ein Plädoyer, historisches Wissen über Wartungspraktiken und deren sozioökonomische wie ökologische Dimensionen stärker in gegenwärtige gesellschaftliche Debatten einzubeziehen – insbesondere im Hinblick auf die zentrale Bedeutung, die Eisenbahnsystemen in der aktuellen Transformation des europäischen Mobilitätssektors zukommt.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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