Detailseite
Projekt Druckansicht

Ursachen und Konsequenzen von Arzneimittelknappheiten

Fachliche Zuordnung Accounting und Finance
Pharmazie
Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Wirtschaftspolitik, Angewandte Volkswirtschaftslehre
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 458354694
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Medikamentenengpässe sind weltweit ein häufiges Problem mit schwerwiegenden Folgen für Patientinnen und Patienten und Gesundheitssysteme. Trotz nationaler und globaler Bemühungen fehlen einheitliche Definitionen und umfassende Analysen zu den Ursachen und Folgen dieser Engpässe. Dieses Projekt zielte darauf ab, die Ursachen und Folgen von Medikamentenengpässen, insbesondere im Kontext der COVID-19-Pandemie, aus der Perspektive der Gesundheitsökonomie und Gesundheitspolitik zu untersuchen. Ziel war es, die multidimensionalen Ursachen von Engpässen zu identifizieren und deren Rolle sowie Auswirkungen auf die Gesundheitsversorgung und -kosten empirisch zu analysieren. Neben der Erfassung der Ursachen von Engpässen auf globaler Ebene in den Regionen Nordamerika, Europa und dem Rest der Welt lag der Fokus der empirischen Untersuchungen von Ursachen und Konsequenzen auf den Gesundheitssystemen in Deutschland und der Schweiz. Das Projekt umfasste eine Datensammlung und -verarbeitung, die Daten zu Ursachen, gemeldeten Medikamentenengpässen, regulatorischen Rahmenbedingungen, Handelsströmen und Gesundheitssystemen verknüpfte. Verschiedene Forschungsmethoden wurden eingesetzt, darunter Literaturrecherche, Netzwerkanalyse, Regression Discontinuity in Time Design und ökonometrische Analysen. Es wurden Forschungsdesigns umgesetzt, welche möglichst kausale Aussagen zu Ursachen und Konsequenzen zulassen. • Studie 1: Durch eine Literaturrecherche und Netzwerkanalyse wurde ein Rahmenwerk entwickelt, das die komplexen, multidimensionalen Ursachen von Medikamentenengpässen aufzeigt. Wirtschaftliche Faktoren, wie die Rentabilität, erwiesen sich als zentral wobei sich die Anzahl der ermittelten Ursachen sowie die Rolle der Beziehungen zwischen den Ursachen nach den drei globalen Regionen Nordamerika, Europa und Rest der Welt unterschieden. Ein entwickeltes Online-Dashboard dient als Ressource für politische Entscheidungsträger sowie für die Identifikation kausaler Netzwerke, um die Ermittlung von effektiven Strategien bei der Bekämpfung von Lieferengpässen zu unterstützen, die Resilienz der Gesundheitssysteme zu stärken und weitere Analysen zuzulassen. • Datenkuratierung zu Lieferengpässen: Für den verschreibungspflichtigen Arzneimittelmarkt wurden Daten aus pharmazeutischen Referenzdatenbanken, Verordnungsvolumina von Krankenkassen und Daten zu Lieferengpassmeldungen im Zeitraum 2018-2021 kombiniert um die Rolle ausgewählter Ursachen bezüglich der Verfügbarkeit von Arzneimitteln in den Studien 2-4 zu untersuchen. • Studie 2: Zwischen 2018 und 2021 waren 1-2% des Gesamtmarktes kontinuierlich von Lieferenpässen betroffen. Mithilfe eines Regression Discontinuity in Time Designs zeigte die Analyse, dass die COVID-19-Pandemie die Engpässe in Deutschland kurzfristig verdoppelte, besonders in Märkten mit hoher Abhängigkeit von globalen Lieferketten (d.h. Produktionsstätten mit durchschnittlicher Entfernung von mehr als 1.700 km) und relativ hohem Wettbewerb. Eine Überwachung von Wirkstoffen mit hoher globaler Abhängigkeit kann dazu beitragen, globale Schocks auf Lieferketten abzumildern. • Studie 3: In einer Analyse der Medikamentenversorgung in der Schweiz vor und während der Pandemie wurde festgestellt, dass alle Arzneimittelklassen betroffen waren. Dabei erwiesen sich mandatorisch gelagerte Medikamente als weniger anfällig für Engpässe. • Studie 4: Die Analyse der Auswirkungen des Valsartan-Rückrufs 2018 in Deutschland, basierend auf einer Difference-in-Differences Methode, zeigte eine vorübergehende Zunahme der Gesundheitsausgaben und eine Fragmentierung der pharmazeutischen Versorgung. Die Studie identifiziert höhere Arzneimittelkosten um etwa 3% nach dem Rückruf von Valsartan und eine höhere Inanspruchnahme von Leistungen sowie Fragmentierung der ambulanten Versorgung und der Apothekennutzung. • Workshop: Die Projektergebnisse wurden in einem zweitägigen Workshop mit Forschern, Industrievertretern und Politikern im Februar 2024 diskutiert, um Lösungen für zukünftige Engpässe zu erarbeiten. Der Workshop führte zu weiteren Diskussionen und breiter Öffentlichkeitsarbeit. Schlussfolgerungen: Die Ergebnisse verdeutlichen, dass Medikamentenengpässe komplexe, regionsspezifische Ursachen haben, die stark von wirtschaftlichen Faktoren beeinflusst werden. Die COVID-19-Pandemie verstärkte diese Engpässe kurzfristig erheblich, insbesondere in global stark vernetzten Märkten. In der Versorgung haben Engpässe Konsequenzen in Form von gestiegenen Arzneimittelkosten sowie eine höhere Inanspruchnahme ambulanter Leistungen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • A Review of the Multidimensional Nature of Medicine Shortages for Evidence-Based Interventions [Mimeo].
    Panhuysen, J., Goetjes, E., Blankart, K. & Shaikh, M.
  • Medicine Shortages, Global Dependency, and Competition in Times of a Pandemic – a Regression Discontinuity in Time Approach [Mimeo].
    Goetjes, E., Panhuysen, J., Shaikh, M. & Blankart, K.
  • The consequences of medicine shortages on healthcare utilization and fragmentation of care [Mimeo].
    Panhuysen, J., Goetjes, E., Blankart, K. & Shaikh, M.
 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung