Entwaldung, Pandemien und Klimawandel: eine ganzheitliche, ökonomische Analyse
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Projekt integriert Entwaldung, Pandemien und Klimawandel in ein globales makroökonomisches Modell und berücksichtigt deren vielfältigen Risiken. IMPACD ist vorausschauend, dynamisch und stochastisch, was bedeutet, dass sozial optimale Entscheidungen auch zukünftige Konsequenzen berücksichtigen und die Stochastik einbeziehen, die mit der dynamischen Entwicklung der Wirtschaft, des Klimas und der Waldmasse verbunden ist. Wälder erbringen essenzielle Ökosystemdienstleistungen, indem sie als Kohlenstoffsenken und Biodiversitätsreservoirs dienen und—wie wir erstmals in dieser Sparte der ökonomischen Literatur zeigen—als natürliche Barrieren gegen neu auftretende Infektionskrankheiten (EIDs) fungieren. IMPACD führt das Konzept des barrier service effect ein, welcher den sozialen Wert der Wälder in der Reduktion des Auftretens von Zoonosen, wie Ebola und COVID-19 quantifiziert. Überraschenderweise schätzt IMPACD, dass dieser barrier service effect über 90 % der gesamten sozialen Kosten der Entwaldung (SCD) ausmacht, die auf 11,18 USD pro Tonne CO2 berechnet werden. Diese zentrale Erkenntnis unterstreicht die Bedeutung der Wälder bei der Eindämmung von Pandemierisiken. Der barrier service effect globaler Wälder geht über ihre Kohlenstoffspeicherfunktion und ihren Biodiversitätswert hinaus und positioniert Wälder als eine wesentliche Schutzbarriere gegen globale Pandemien. Folglich ist die tatsächliche Rendite von Investitionen in den Waldschutz wesentlich höher, da die Verringerung der Entwaldung auch die Verbreitung von Zoonosen reduziert und wirtschaftliche Verluste durch Pandemien mildert, die globale makroökonomische Auswirkungen haben. Zum Beispiel bietet IMPACD bei einer 30-jährigen Wiederholungsperiode von pandemischen Zoonosen und einem globalen Produktionsverlust von 4 % eine zusätzliche ökonomische Rationale für den Erhalt der Wälder. Eine Sensitivitätsanalyse zu den globalen Produktionsverlusten nach einer Pandemie und der Gefahr durch pandemische Zoonosen führt zu einer überraschenden Erkenntnis: Eine Verdopplung der hazard rate oder der globalen Produktionsverluste nach Pandemien verdoppelt die erwarteten SCD. Entscheidungsträger können diese Erkenntnisse für regulatorische Zwecke nutzen und die externen Kosten der Entwaldung effektiv bepreisen, um wirtschaftliche Anreize mit Zielen des Ökosystemschutzes in Einklang zu bringen. IMPACD trägt dazu bei, Wissenslücken zu schließen, die von Plattformen wie der Intergovernmental Science-Policy Platform on Biodiversity and Ecosystem Services (IPBES) und dem IPCC identifiziert wurden, die auf die Notwendigkeit ökonomischer Modelle hinweisen, die die Rolle von Ökosystemdienstleistungen bei der Pandemiebekämpfung berücksichtigen. Zukünftige Forschung kann die Schwierigkeit der Kalibrierung der Risikostruktur des Modells angehen und robuste Präferenzen in das IMPACD-Framework integrieren.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Asset Pricing with Disagreement about Climate Risks. SSRN Electronic Journal.
Lontzek, Thomas; Pohl, Walt; Schmedders, Karl; Thalhammer, Marco & Wilms, Ole
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The Social Cost of Carbon When We Wish for Full-Path Robustness. Management Science, 69(12), 7585-7606.
Zhao, Yifan; Basu, Arnab; Lontzek, Thomas S. & Schmedders, Karl
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IMPACD: An Integrated Macroeconomic Model of Pandemics, Climate Change, and Deforestation . Elsevier BV.
Lontzek, Thomas & Thalhammer, Marco
