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Psychische Gesundheit bei Sexarbeiterinnen: Eine Querschnittserhebung

Fachliche Zuordnung Public Health, Gesundheitsbezogene Versorgungsforschung, Sozial- und Arbeitsmedizin
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 458542508
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die vorgelegte Studie untersucht die Prävalenz psychischer Erkrankungen bei Sexarbeiterinnen in Berlin anhand einer epidemiologischen Querschnittserhebung. Trotz begrenzter Forschung weisen bestehende Studien auf eine hohe psychische Belastung in dieser Berufsgruppe hin. Ziel der Studie war es, diese Lücke durch eine groß angelegte quantitative Untersuchung zu schließen und Risiko- sowie Schutzfaktoren für die psychische Gesundheit zu identifizieren. Ein Mixed-Methode-Ansatz wurde verwendet, bei dem 403 Sexarbeiterinnen aus verschiedenen Arbeitskontexten befragt wurden. Standardisierte Instrumente zur Erfassung psychischer Störungen (z. B. MINI-DIPS für DSM-5-Diagnosen) sowie qualitative Interviews wurden eingesetzt. Eine Vergleichsgruppe von 157 Sozialarbeiterinnen ermöglichte eine Differenzierung berufsbedingter Belastungen. Die Ergebnisse zeigen eine signifikant höhere Punktprävalenz psychischer Erkrankungen bei Sexarbeiterinnen (60,3 %) im Vergleich zur Vergleichsgruppe (44,2 %), insbesondere für Angststörungen (35,5 %), Depressionen (20,9 %), PTBS (17 %) und Substanzgebrauchsstörungen (19,7 %). Logistische Regressionen identifizierten signifikante Risikofaktoren, darunter Obdachlosigkeit (OR = 0,11, p = 0,003), niedriges Einkommen (OR = 0,50, p = 0,042) und Erfahrungen mit Bedrohung und Kontrolle (OR = 0,15, p = 0,030). Eine Clusteranalyse zeigte drei Untergruppen mit unterschiedlichen Belastungen: Eine wirtschaftlich stabile Gruppe mit geringer Belastung, eine gemischte Gruppe mit moderater Belastung und eine besonders vulnerable Gruppe mit hoher Gewaltbetroffenheit und der höchsten Prävalenz psychischer Erkrankungen (73,2 %). Die Ergebnisse haben weitreichende Implikationen für Politik und Praxis. Maßnahmen zur Verbesserung psychosozialer Unterstützung, Schutz vor Gewalt und Reduktion wirtschaftlicher Unsicherheiten sind besonders wichtig. Da nicht alle Sexarbeiterinnen gleichermaßen belastet sind, sollten differenzierte Unterstützungsangebote entwickelt werden. Zukünftige Forschung sollte Längsschnittstudien zur langfristigen Entwicklung psychischer Erkrankungen sowie Interventionsstudien zur Wirksamkeit bestehender Unterstützungsmaßnahmen umfassen.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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