Neue Formen der organisierten Zusammenarbeit im Journalismus
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Die kommunikationswissenschaftliche Redaktionsforschung hat sich in der Vergangenheit vorrangig auf die etablierten Nachrichtenredaktionen von Presseverlagen und Rundfunk konzentriert. Neugegründete Organisationen im Journalismus eröffnen jedoch großes Potenzial für innovative Formen der organisierten Zusammenarbeit, da sie oftmals kleiner, flexibler und heterogener sind als etablierte Redaktionen. Vor diesem Hintergrund hat das Forschungsprojekt elf dieser Neugründungen im deutschsprachigen Raum hinsichtlich ihrer journalistischen Organisationsstrukturen, Prozesse und Arbeitspraktiken untersucht. In explorativer Fallstudienforschung wurden drei Datenquellen kombiniert: qualitative Beobachtungen, halbstandardisierte Leitfadeninterviews und die Analyse externer und interner Dokumente. Das Studiendesign knüpfte an die ethnografischen Wurzeln der Forschung zur Nachrichtenproduktion an, die organisationale Vielfalt von Neugründungen erforderte jedoch, mit einer maximal kontrastierten Fallauswahl in die Breite zu gehen. Wo konventionellen Redaktionen hoch formalisierte Strukturen, enge Ressortgrenzen, Machtkonzentration und mangelnde Transparenz über Entscheidungen zugeschrieben werden, verfügen die untersuchten Neugründungen über flachere Organisationsstrukturen: die Arbeit mit flexiblen Themenschwerpunkten oder hochspezialisierten Teilredaktionen anstelle klassischer Ressorts, Modelle wie eine „Kompetenzhierarchie“ oder „Forenstruktur“ verweisen auf Alternativen gegenüber dem vorherrschenden Redaktionsmodell des 20. Jahrhunderts. Ethnographien konventioneller Redaktionen haben journalistische Arbeitsprozesse vorwiegend hinsichtlich ihrer Gleichförmigkeit, ihrer Routinen und Standards beschrieben. Die Produktionsprozesse in den untersuchten Neugründungen sind vielfach noch in Entstehung begriffen und Routinen kaum etabliert, was Raum für eine offenere Gestaltung und laufende Anpassungen eröffnet. Die Zusammenarbeit von Hauptund Ehrenamtlichen, organisationale Innovationen wie „Schreibtandems“ und „Sparrings“ sowie software-gestützte Prozesstransparenz veranschaulichen beispielhaft, wie journalistische Ablauforganisation unter Bedingungen digitaler Medien und der Ausbreitung kombinierter Remote- bzw. Hybridarbeit aussehen kann. Sie unterstreichen auch, wie heute eine Ausbildung „on the job“ erfolgt. In der Vergangenheit ging die Forschung davon aus, dass die journalistische Arbeitspraxis in jeder Zeitungsredaktion auf ähnliche Weise gestaltet sei. Demgegenüber stehen eine stärkere Differenzierung und Spezialisierung in Neugründungen. Während manche Gründungen auf bestimmte Teilprozesse der journalistischen Produktion, wie Themenidentifikation, Recherche oder Datenaufbereitung spezialisiert sind, haben andere einzelne Arbeitspraktiken rekonfiguriert oder gänzlich neue geschaffen (z.B. die Bereitstellung von „Recherche-Rezepten“ oder ein „Diversitäts-Lektorat“). Die Ergebnisse erhellen unterschiedliche Formen der Aufbau- und Ablauforganisation sowie journalistischer Arbeitspraxis, welche als Schaufenster in künftige Arbeits-, Organisationsund Beschäftigungsmodelle im Journalismus begriffen werden können. So gibt die Forschung auch Hinweise zu grundsätzlichen Wandlungstendenzen im digitalen Journalismus.
Projektbezogene Publikationen (Auswahl)
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Mit Innovation zu mehr Diversität? Vortrag auf der Jahrestagung der Fachgruppe Journalistik/Journalismusforschung in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), 15. bis 17. September 2021, München
Suhr, M.
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Thesen zur Redaktion der Zukunft. Vortrag auf Einladung des Mitteldeutschen Rundfunks im Rahmen der MDR Digitalkonferenz, 2. November 2021
Buschow, C.
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12 Innovationen im Journalismus mit Christopher Buschow. Pendant-Podcast
Buschow, C., Rademacher, L. & Heidbrink, H.
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20blue minutes #05: Christopher Buschow von der Bauhaus-Universität Weimar. Podcast 20blue minutes
Buschow, C. & Mutschler, A.
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Business ecosystems in digital journalism: cross-border collaborative investigations as a novel organizational form. Handbook on Digital Business Ecosystems. Edward Elgar Publishing.
Buschow, Christopher & Suhr, Maike
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Die Creator Economy im Journalismus. Ein Vergleich plattformbasierter Medienproduktion mit der Arbeit in redaktionellen Strukturen. MedienWirtschaft, 19(4), 16–25
Franke, K. L., Buschow, C. & Kohlschreiber, M.
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Instagram als Wegbereiter einer Plattform-Disruption im Lokaljournalismus? Einige theoretische Überlegungen anhand der „Disruption Theory“. Journalismus und Instagram, 105-125. Springer Fachmedien Wiesbaden.
Buschow, Christopher
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New Organizations – New Opportunities for Diversity, Equity, and Inclusion in Journalism? Posterpräsentation auf der Jahrestagung der International Communication Association (ICA), 26. bis 30. Mai 2022, Paris, Frankreich
Suhr, M.
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Novel Organizational Forms in Newswork. Vortrag auf der Jahrestagung der International Communication Association (ICA), 26. bis 30. Mai 2022, Paris, Frankreich
Buschow, C. & Suhr, M.
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Organisation mit Christopher Buschow. Podcast Innovationstheater
Buschow, C. & Horn, D.
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Organizational Innovations in Digital Journalism. Vortrag auf der Jahreskonferenz der European Communication Research and Education Association (ECREA), 19. bis 23. Oktober 2022, Aarhus, Dänemark
Suhr, M. & Buschow, C.
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Organizational innovations in digital journalism. Vortrag auf Einladung an die Rijksuniversiteit Groningen, Faculty of Arts, 22. Juni 2022
Buschow, C.
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Diversity and (Anti-)Discrimination in the Context of News Start-ups: A Research Agenda. Global Media Journal - German Edition, 13(1)
Suhr, M.
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Domänenkompetenz: Medienwirtschaftliche Potenziale, gesellschaftliche Risiken. In S. Turner & S. Russ-Mohl (Hrsg.), Deep Journalism. Redaktionelle Domänenkompetenz als Erfolgsfaktor (S. 69–85). Herbert von Halem. ISBN: 978-3-86962-660-4
Buschow, C.
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Journalistische Neugründungen: Neue Chancen oder alte Barrieren für Diversität und Gleichstellung? Vortrag auf der Jahrestagung der DGPuK-Fachgruppen Digitale Kommunikation und Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht, 09. November 2023, Wien, Österreich
Suhr, M. & Buschow, C.
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Katalysator für neue Akteure im Journalismus: Wie die Organisationsinnovation funk journalistische Content Creator unterstützt. Vortrag auf der Jahrestagung der Fachgruppe Medienökonomie in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), 4. bis 6. Oktober 2023, Stuttgart
Cheng, L., Buschow, C. & Suhr, M.
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Neue Organisationen für einen repräsentativen Journalismus. te.ma
Suhr, M. & Buschow, C.
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Katalysator für neue Akteure im Journalismus: Wie die Organisationsinnovation funk journalistische Content Creator unterstützt. In U. Eisenbeis & L. Rinsdorf (Hrsg.), Proceedings zur Jahrestagung der Fachgruppe Medienökonomie der DGPuK im Oktober 2023 in Stuttgart (S. 118–129). Deutsche Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft e.V.
Cheng, L., Buschow, C. & Suhr, M.
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Neue Formen der organisierten Zusammenarbeit in journalistischen Gründungen. Vortrag auf der Jahrestagung der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), 14. bis 16. März 2024, Erfurt
Buschow, C. & Suhr, M.
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Organizations as Innovations: Examining Changes in Journalism Through the Lens of Newly-Emerging Organizations. Media and Communication, 12.
Buschow, Christopher & Suhr, Maike
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Zwischen „Repair“ und „Care“: Journalistische Neugründungen als Treiber für Diversität im Journalismus. Vortrag auf der Jahrestagung der Fachgruppe Medien, Öffentlichkeit und Geschlecht und der Fachgruppe Journalistik/Journalismusforschung in der Deutschen Gesellschaft für Publizistik- und Kommunikationswissenschaft (DGPuK), 11. bis 13. September 2024, Berlin
Suhr, M.
