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Neue Formen der organisierten Zusammenarbeit im Journalismus

Antragsteller Professor Dr. Juergen Rösch, seit 1/2024
Fachliche Zuordnung Publizistik und Kommunikationswissenschaft
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 462081165
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die kommunikationswissenschaftliche Redaktionsforschung hat sich in der Vergangenheit vorrangig auf die etablierten Nachrichtenredaktionen von Presseverlagen und Rundfunk konzentriert. Neugegründete Organisationen im Journalismus eröffnen jedoch großes Potenzial für innovative Formen der organisierten Zusammenarbeit, da sie oftmals kleiner, flexibler und heterogener sind als etablierte Redaktionen. Vor diesem Hintergrund hat das Forschungsprojekt elf dieser Neugründungen im deutschsprachigen Raum hinsichtlich ihrer journalistischen Organisationsstrukturen, Prozesse und Arbeitspraktiken untersucht. In explorativer Fallstudienforschung wurden drei Datenquellen kombiniert: qualitative Beobachtungen, halbstandardisierte Leitfadeninterviews und die Analyse externer und interner Dokumente. Das Studiendesign knüpfte an die ethnografischen Wurzeln der Forschung zur Nachrichtenproduktion an, die organisationale Vielfalt von Neugründungen erforderte jedoch, mit einer maximal kontrastierten Fallauswahl in die Breite zu gehen. Wo konventionellen Redaktionen hoch formalisierte Strukturen, enge Ressortgrenzen, Machtkonzentration und mangelnde Transparenz über Entscheidungen zugeschrieben werden, verfügen die untersuchten Neugründungen über flachere Organisationsstrukturen: die Arbeit mit flexiblen Themenschwerpunkten oder hochspezialisierten Teilredaktionen anstelle klassischer Ressorts, Modelle wie eine „Kompetenzhierarchie“ oder „Forenstruktur“ verweisen auf Alternativen gegenüber dem vorherrschenden Redaktionsmodell des 20. Jahrhunderts. Ethnographien konventioneller Redaktionen haben journalistische Arbeitsprozesse vorwiegend hinsichtlich ihrer Gleichförmigkeit, ihrer Routinen und Standards beschrieben. Die Produktionsprozesse in den untersuchten Neugründungen sind vielfach noch in Entstehung begriffen und Routinen kaum etabliert, was Raum für eine offenere Gestaltung und laufende Anpassungen eröffnet. Die Zusammenarbeit von Hauptund Ehrenamtlichen, organisationale Innovationen wie „Schreibtandems“ und „Sparrings“ sowie software-gestützte Prozesstransparenz veranschaulichen beispielhaft, wie journalistische Ablauforganisation unter Bedingungen digitaler Medien und der Ausbreitung kombinierter Remote- bzw. Hybridarbeit aussehen kann. Sie unterstreichen auch, wie heute eine Ausbildung „on the job“ erfolgt. In der Vergangenheit ging die Forschung davon aus, dass die journalistische Arbeitspraxis in jeder Zeitungsredaktion auf ähnliche Weise gestaltet sei. Demgegenüber stehen eine stärkere Differenzierung und Spezialisierung in Neugründungen. Während manche Gründungen auf bestimmte Teilprozesse der journalistischen Produktion, wie Themenidentifikation, Recherche oder Datenaufbereitung spezialisiert sind, haben andere einzelne Arbeitspraktiken rekonfiguriert oder gänzlich neue geschaffen (z.B. die Bereitstellung von „Recherche-Rezepten“ oder ein „Diversitäts-Lektorat“). Die Ergebnisse erhellen unterschiedliche Formen der Aufbau- und Ablauforganisation sowie journalistischer Arbeitspraxis, welche als Schaufenster in künftige Arbeits-, Organisationsund Beschäftigungsmodelle im Journalismus begriffen werden können. So gibt die Forschung auch Hinweise zu grundsätzlichen Wandlungstendenzen im digitalen Journalismus.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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