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Inversionstektonik am Nordrand des Norddeutschen Beckens: Kreidezeitliche bis rezente Reaktivierung von triassischen Abschiebungen (iTec-NGB)

Fachliche Zuordnung Paläontologie
Physik des Erdkörpers
Förderung Förderung von 2021 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 465329435
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Die Reaktivierung von Störungen und mögliche Auswirkungen auf die Integrität von stratigrafischen Barrieren stellt einen kritischen Aspekt für Untersuchungen zu den Nutzungsmöglichkeiten des Untergrunds dar. Glaziale isostatische Ausgleichsbewegungen, die aus wiederholten quartären Vergletscherungen Nordeuropas resultieren, verursachen tektonische Spannungen in vorhandenen Störungssystemen und strukturellen Elementen der Norddeutschen und Norwegisch-Dänischen Becken. Besonders unsere gegenwärtige Kenntnis der Dynamik und Skalen glazial induzierter Störungsreaktivierung ist recht begrenzt. Im Verlauf dieses Projekts ermöglichte ein hochauflösender 2D-Seismikdatensatz, der vor der nordöstlichen Insel Langeland aufgenommen wurde, die Untersuchung eines Störungs- und Grabensystems, das als das Langeland-Störungssystem bezeichnet wird. Die seismostratigraphische Interpretation von reflexionsseismischen Daten in Kombination mit Diffraktions-Imaging zeigt den räumlichen Charakter des Langeland-Störungssystems entlang eines angehobenen Untergrundblocks des Ringkøbing-Fyn-Hochs. In Kombination mit Sedimentecholotdaten hilft der Datensatz, die Fortsetzung tief reichender Störungen bis zur Meeresoberfläche zu visualisieren. Die anfängliche mesozoische Störung ereignete sich während der Trias. Eine spätkretazische Inversion reaktivierte eine Untergrundstörung, die den südlichen Rand des angehobenen Untergrundblocks des Ringkøbing-Fyn-Hochs flankiert, während in der Langeland-Störung keine Inversion auftritt. Hier kam es im Maastricht-Dan zu Abschiebungen. Es konnte durch dieses Projekt gezeigt werden, dass eine glaziale oder postglaziale Störungsreaktivierung im Langeland-Störungssystem stattfand, wie durch die Ausbreitung der Störungen vom tieferen Untergrund bis zur Meeresoberfläche ersichtlich ist, wobei glaziale und postglaziale Abfolgen durchschnitten werden. Unsere Ergebnisse legen nahe, dass das Langeland-Störungssystem über eine Längenskala von mindestens 8,5 km reaktiviert wurde. Die Kombination von seismischen Profilen mit unterschiedlichen Eindringtiefen und vertikaler Auflösung, die in dieser Studie verwendet wird, wird selten realisiert, ist aber für diese bzw. solche Erkenntnisse notwendig. Es kann daher spekuliert werden, dass in pleistozänen vergletscherten Regionen viele weitere tief verwurzelte Störungen reaktiviert wurden.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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