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Edition von Briefen aus Jean Pauls Umfeld

Fachliche Zuordnung Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Förderung Förderung von 2021 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 466029789
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Das Projekt hatte zum Ziel, die Korrespondenzen aus der Familie, dem Freundes- und dem Bekanntenkreis von Jean Paul (Johann Paul Friedrich Richter, 1763-1825) zu edieren und digital zugänglich zu machen. Ursprünglich auf etwa 1650 Briefe angelegt, umfasst es jetzt etwa 2000 Briefe, die viel zum Verständnis von Biographie und Werk des Dichters, zum Verständnis der Literaturgeschichte und natürlich zur Alltagsgeschichte gebildeter und weniger gebildeter, wohlhabender und weniger wohlhabender Zeitgenossen Jean Pauls beitragen. Die Edition ist geprägt von Vielstimmigkeit und Vielfalt: Personen, die in klassischen Briefeditionen als Resonanzfläche für den Hauptdarsteller dienen, treten aus der zweiten und dritten Reihe, zeigen sich in ihrer Eigenheit und als Zentren ihrer eigenen Netze, Ihre Briefe beleuchten die Welt von ihrer eigenen Wirklichkeit aus. Es sind überproportional viele Frauen vertreten, aus deren Briefen die weibliche ‚conditio humana‘ hervortritt. Einer der engsten Freunde Jean Pauls ist der jüdische Kaufmann Emanuel (Osmund): Beide pflegten mit ihren Familien ein enges deutsch-jüdisches Verhältnis, vom gemeinsamen Feiern jüdischer wie christlicher Feste bis zur Auswahl des 1814 für Emanuel behördlich verlangten Familiennamens („Beschützer“) durch Jean Paul. Im Laufe der Erarbeitung immer wichtiger geworden sind andere Aspekte aus der Literaturgeschichte, als man sie gewöhnlich vorgesetzt bekommt, eine Literaturgeschichte in Nahsicht, das literarische Alltagsgeschäft, die Erarbeitung von Zeitschriften und ihre Rolle für die literarische Öffentlichkeit und einstmals gewichtige Autoren, die heute vergessen sind. – Die Edition bedient sich der Möglichkeiten des digitalen Mediums: Briefe sind beschlagwortet und Korrespondenzkreisen zugeordnet und können variabel gruppiert, also verschiedenen Briefkorpora zugeordnet werden. Der Nutzer kann chronologisch im gesamten Material (eingeschlossen die Briefe Jean Pauls) oder in einer selbstbestimmten Auswahl blättern. Die Kategorie der ‚Mitleserschaft‘, die für diese Edition eingeführt wurde, dient dazu, ein für die Kommunikation um 1800 entscheidendes Phänomen sichtbar zu machen: Die Korrespondenzen sind mitnichten immer privat, sie verbinden und schaffen vielmehr als ‚social media‘ der Zeit Netzwerke, soziale Verbindungen von wechselnder Dichte und Stabilität. Nicht wenige der Briefe haben nicht nur einen Absender, sondern sind gemeinschaftlich abgefasst. Das Projekt der Umfeldbriefe ist als Teil einer Plattform im WWW konzipiert, die sie zusammen mit den Briefen des Dichters und prospektiv die an ihn adressierten frei zugänglich machen und mittels einer übergreifenden Registerdatenbank (Personen, Werke, Orte), aber auch mittels Verlinkungen verbindet. Die zweite Phase des Projekts diente also nicht allein der Erweiterung des Korpus, sondern u. a. der teilweisen Einbindung von Jean Pauls Briefen in das für die Umfeldbriefe entwickelte Ordnungssystem einer digitalen Tiefenerschließung.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

  • Soziales Medium Brief. Sharen, Liken, Retweeten im 18. und 19. Jahrhundert. Neue Perspektiven auf die Briefkultur. Für die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften. Darmstadt : wbg Academic, 2023 (ISBN 978-3-534-40744-6)
    Markus Bernauer, Selma Jahnke, Frederike Neuber & Michael Rölcke
  • „In einem großen »Waschkorb« gefunden. Briefkopierhefte aus dem Nachlass Paul Emile Thieriots in der Sammlung Varnhagen“, in: Simona Noreik, Maja Brodrecht, Jörg Paulus (Hrsg.): Ästhetiken und Materialitäten des Übergangs und des Übertragens. Berlin/Basel 2023
    Michael Rölcke
  • „Eines der ‚genialsten Schreib-Weiber jetziger Zeit‘. Minna Spazier als Autorin, Redakteurin und Herausgeberin im Spiegel ihrer Briefe an Beiträger und Verleger“, in: „Schriftstellerinnen aus der Sammlung Varnhagen“. Hrsg. von Jörg Paulus u.a.
    Michael Rölcke
  • „‚Hätten Sie doch tausend Hände zum Schreiben!‘ Die Korrespondenz zwischen Helmina von Chézy und Carl Bertuch“, in: „Schriftstellerinnen aus der Sammlung Varnhagen“. Hrsg. von Jörg Paulus u.a.
    Selma Jahnke
 
 

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