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Eine statistische Klassifizierung von terrestrischen, semiaquatischen und aquatischen Lebensweisen: Die ungelöste Frage triassischer marine Archosauromorpha.

Antragstellerin Dr. Nicole Klein
Fachliche Zuordnung Paläontologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2024
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 470103987
 
Erstellungsjahr 2025

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Ziel des Projektes war es, einen Neufund aus der Mitteltrias von Nevada zu beschreiben. Die Fundstelle in den Augusta Mountains von Nevada (USA) ist vor allem bekannt für ihre diverse Ichthyosaurier-Fauna. Zusammen mit zahlreichen Ammoniten und Schwarzschieferablagerungen ergibt sich ein offen mariner Lebensraum weit entfernt von der Küste. Obwohl bei Antragstellung weitestgehend unpräpariert, war es klar, dass der Neufund als Archosaurier einzuordnen ist, eine Gruppe, die rein terrestrisch lebt. Trotzdem kann man Archosaurier in der Mitteltrias regelmäßig und weltweit in marinen Ablagerungen finden. Deren Skelette zeigen allerdings keine oder kaum sekundäre aquatische Anpassungen, ganz anders als bei marinen Reptilien, wie Ichthyosauriern und Sauropterygiern. Aufgrund dessen ist ihre Lebensweise, also aquatisch oder terrestrisch, fraglich. Hieraus entstand die Idee zu dem zweiten Ziel dieses Projektes: die Entwicklung eines mathematischen Modells (Ergebnis von Diskrimanzanalysen), was aus Messdaten ihres Skelettes die Lebensweise von Diapsiden vorhersagen kann. Der Neufund aus Nevada wurde untersucht und ein neues Taxon, Benggwigwishingasuchus eremacarminis, wurde benannt. Die phylogenetische Analyse erbrachte eine Verwandtschaft mit Poposauroiden, einer Gruppe fortschrittlicher Pseudosuchia innerhalb der Archosaurier. Die Histologie, Mikroanatomie, Wachstumsrate, und Anzahl der Wachstumsmarken im Oberarmknochen wurde im Detail untersucht. Weder die Morphologie noch histologische Merkmale zeigen irgendeine Anpassung an eine sekundär aquatische Lebensweise von Benggwigwishingasuchus. Für einen Poposauroiden ist die Wachstumsgeschwindigkeit gering gewesen. Die Ablagerung von mehreren Stillstandslinien in der Kortex deuten auf ein spätes ontogenetisches Stadium hin. Benggwigwishingasuchus war trotz seiner geringen Körpergröße (rek. 1.5 m) kein Jungtier mehr. Für das zweite Ziel wurde eine Datenbasis bestehend aus 112 Skeletten moderner und fossiler Diapsida zusammengestellt, welche jeweils durch 13 Merkmale (Längenverhältnisse von Knochen), charakterisiert sind. Die Lebensweise, in 4 Kategorien klassifiziert (terrestrisch, semi-aquatisch, flach-marin/Süßwasser, vollmarine/pelagisch), wurde für jedes Exemplar im Voraus festgelegt. 75% der Exemplare wurden von linearen Diskriminanz-Modellen richtig vorhergesagt, wenn alle 13 Merkmale oder fünf beziehungsweise vier diskriminative Merkmale von diesen verwendet wurden. Als äußerst informativ zeigten sich die 25 % von ihnen falsch vorhergesagten Lebensweisen. Eine falsche Vorhersage durch die Modelle basiert entweder auf einer a priori falschen Einschätzung der Lebensweise (Bsp. „marine“ Iguana), wenn Tiere sich im evolutiven „Umwandlungsprozess“ von einer Lebensweise zur nächsten befinden (einige marine Reptilien aus der Trias) oder aber weil die Tiere Generalisten sind, die mit verschiedenen Lebensweisen zurechtkommen (Bsp. Varane und Krokodile). In einem nächsten Schritt wurden sechs triassische Archosaurier mit unklarer Lebensweise mit den Modellen getestet, die dann eindeutige Vorhersagen für diese lieferten. Die entwickelten Modelle sind somit sehr informativ und von hohem Nutzen und eine Erweiterung sowie einige Folgestudien sind geplant.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

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