The Transformation of Peer Relationships and Participation during the Covid-19 Pandemic
Final Report Abstract
Gemeinschaftliches Experimentieren, Opponieren, aber auch Nachahmen und Orientieren sind wichtige Möglichkeitsräume für junge Menschen, die von ihnen selbst praktisch hervorgebracht, aber ebenso gesellschaftlich gerahmt werden. Im Hinblick auf die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie stellt sich dazu die zentrale Frage, wie junge Jugendliche die Regelungen öffentlichen Lebens zu dieser Zeit der Pandemie erfahren und sich dazu angesichts ihrer temporär veränderten Möglichkeitsräume verhalten haben. Welche Unterstützung erfuhren sie durch ihre Peergroups? Lassen sich Differenzen bezüglich der heterogenen Lebenslagen ausmachen, die aufgrund einer Lernschwierigkeit und/oder weiterer Exklusionsrisiken bestehen? Inwiefern lassen sich dazu Veränderungen ihrer (Nicht- )Partizipation an Schule und Gesellschaft sowie die Relevanz des Politischen in den jugendlichen Lebenswelten eruieren? Diesen und weiteren Fragen widmete sich das vorliegende Projekt. Dabei wird näher herausgearbeitet, wie sich die befragten jungen Jugendlichen in narrativ biografischen Interviews und Gruppendiskussionen auf die Covid-19-Pandemie, Politik und die eigenen Partizipationschancen beziehen. Letztendlich interessiert dabei, wie diese mit den habituellen Orientierungen des soziokulturellen Herkunftsmilieus verbunden sind und wie sich dies anhand der Orientierungen und Praxen der Peergroup als Peermilieu dokumentiert. Mittels dokumentarischer Methode wurden basierend auf den komparativen Analysen als erste Strategie der Generalisierung eine Musterbildung zu den Rekonstruktionen der individuellen Orientierungsrahmen und Partizipationsbiografien realisiert. Ausdifferenziert wurden fünf Muster anhand der narrativ biografischen Interviews zu neun Fällen: Muster 1 „Dynamische (Nicht-)Partizipation und Beiläufigkeit von Politik“ (drei Fälle), Muster 2 „Dynamische (Nicht-)Partizipation und die Bedeutung von Politik“ (zwei Fälle), Muster 3 „Zunahme von Partizipation und die Bedeutung von Politik“ (ein Fall), Muster 4 „Zunahme von Partizipation und das relevant werden von Politik“ (zwei Fälle) und Muster 5 „Einbrüche der Partizipation und das relevant werden von Politik“ (ein Fall). Die zweite Generalisierungsstrategie der Rekonstruktionen bildet eine sinngenetische Typenbildung der individuellen und kollektiven Orientierungen anhand von Interviews und Gruppendiskussionen in ihrem Passungsverhältnis. Dieses beinhaltet zudem eine Analyse der Beziehungsform. Alle Fälle übergreifend lässt sich der Typus „Orientierung an Eigenständigkeit“ abstrahieren und in vier Typen ausdifferenzieren: Typ 1 „Beibehalt von Eigenständigkeit und gemeinschaftliche Peerunterstützung“, Typ 2 „Umfassende 12 Einschränkung und fehlende Peerunterstützung“, Typ 3 „Erhöhte Eigenständigkeit und gemeinschaftliche Peeraktivität“ und Typ 4 „Kampf um Eigenständigkeit und gemeinschaftliche Peerbewältigung“. Anhand der Muster- und Typenbildung sind konkrete Einblicke in die Peerpraxen und Lebensweltanschlüsse für Partizipation und das Politische möglich. So zeigt sich, dass Partizipation und das Politische vielfältig relevant sind. Bei der expliziten Nachfrage zur Bedeutung von Politik verneinen viele Jugendliche jedoch die Relevanz, obwohl aus Forschendensicht politikbezogene Praxen und Anschlüsse identifiziert wurden. Genau diese Perspektivendifferenz zwischen den Befragten und den Forschenden kann durch den rekonstruktiven Forschungsansatz und das differenzierte Begiffsinstrumentarium überhaupt erst kenntlich gemacht werden. Relevant sind in diesem Zusammenhang neuere empirische Studien zur politischen Partizipation mittels digitaler Technologien, die darauf verweisen, dass niedrigschwellige Partizipationspraktiken als ,connective interaction‘ von Jugendlichen, die aus als bildungsfern zugeschriebenen Lebenslagen stammen, eher vollzogen werden als die klassischen Formate politischer Partizipation. Nach Grunert (2022) erfordern diese „tiny acts of political participation“ (Margetts et al. 2015) eine Neujustierung des Partizipationsverständnisses und darauf bezogene qualitativ rekonstruktiver Studien.
Publications
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Editorial zum Themenschwerpunkt “Zeitdiversitäten in Kindheit und Jugend” In: Diskurs Kindheits- und Jugendforschung. S. 277-280
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Veränderte (digitale) Zeit-Räume der Peers?. Gesellschaft – Individuum – Sozialisation. Zeitschrift für Sozialisationsforschung, 3(2).
Mengilli, Yağmur & Köhler, Sina-Mareen
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Zukunftsperspektiven von Jugendlichen auf ihr weiteres Leben unter Berücksichtigung der Covid-19-Pandemie. In: Diskurs Kindheitsund Jugendforschung. S. 325-337
Köhler, S.-M. & Zschach, M.
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Fernunterricht in pandemischen Zeiten aus Schüler*innensicht. In: Hummrich, M./Asbrand, B./Silkenbeumer, M. (Hrsg.): On Remote: Pädagogische Beziehungen unter den Bedingungen von Social Distancing und Digitalisierung. Schwerpunkt Zeitschrift für Sozialisation und Erziehung (ZSE)(2/2023).
Köhler, S.-M.
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Geteilte digitale Erfahrungswelten der Peers in der Krise? In: Leineweber, C./de Witt, C. (Hrsg.): Digitale Erfahrungswelten im Diskurs. Hagen.
Köhler, S.-M.; Winkler, A.-L. & Autenrieth, U.
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Editorial „Transnationale schulische Bildungsräume – Rekonstruktionen von (Berufs-)Biografien schulischer Akteur*innen“. Themenschwerpunkt in Tertium Comparationis, 2024/1
Köhler, S.-M. & Rosen, L.
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„[hat] übrigens nichts mit meiner Schule zu tun, dass ich an Diversität und Ähnliches schon aus Afrika gewohnt war“ – Zur Relevanz transnationaler Mobilität für das Erleben von Schule. In: Tertium Comparationis, 2024/1
Köhler, S.-M. & Mengilli, Y.
