Detailseite
Projekt Druckansicht

Biochemische und Einzelzell-Genexpressionsanalyse von ALS-verursachenden KIF5A-Mutationen

Antragsteller Dr. Rüstem Yilmaz
Fachliche Zuordnung Molekulare und zelluläre Neurologie und Neuropathologie
Förderung Förderung von 2021 bis 2023
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 492655220
 
Erstellungsjahr 2024

Zusammenfassung der Projektergebnisse

Amyotrophe Lateralsklerose (ALS) ist eine neurodegenerative Erkrankung, die zu Lähmungen und innerhalb von 3-5 Jahren nach der Diagnose zum Tod führt. Varianten in über 30 Genen gelten als monogene Ursachen für ALS. Im Jahr 2018 entdeckten wir bei ALS-Patienten Spleißstellen-Mutationen in KIF5A, die sich in einem Hotspot konzentrieren und KIF5A als neues ALS-Gen identifizierten. Diese Mutationen verursachten alle einen Frameshift in der cDNA, der bei Translation zu einer identischen 40 Aminosäure langen-"Neopeptid"-Sequenz am C-Terminus führt. Wir stellten die Hypothese auf, dass dieses Neopeptid zu einem toxischen Funktionsgewinn von KIF5A führt. Zur Überprüfung setzten wir in diesem Forschungsprojekt zellbiologische und biochemische Methoden in Kulturzellen, KIF5A Mutanten iPSC-differenzierten Motoneuronen von ALS-Patienten und primären Motoneuronen von KIF5A Mutanten Knock-in-Mäusen ein. Wir konnten zeigen, dass das mutierte KIF5A- Protein tatsächlich exprimiert wird und Aggregate bildet. Die Charakterisierung dieser Aggregate, einschließlich Größe, Anzahl und Form, wurde mithilfe eines Algorithmus für maschinelles Lernen durchgeführt. Außerdem stellten wir fest, dass die Aggregate p62 positiv sind und auch Wildtyp-KIF5A enthielten, was auf eine dominant negative Rolle der Mutanten hindeutet. Interessanterweise zeigte unsere Studie, dass nicht alle ALS-Mutationen zum exon- 27 skipping führen, was die Bedeutung des Vorhandenseins eines Neopeptids am C-Terminus des Proteins unterstreicht. Als nächstes identifizierten wir die unterschiedlichen Interaktionspartner von KIF5A durch Massenspektrometrie und BRET-Assays. Unsere Ergebnisse deuten darauf hin, dass gestörte ribosomale Signalwege eine zentrale Rolle bei der durch KIF5A verursachten ALS-Pathologie spielen könnte. Schließlich beobachteten wir mit Hilfe von snRNA-Seq von Wildtyp- und Knock-in-Mausgeweben signifikante Veränderungen bei differentiell exprimierten Genen in Neuronen, aber nicht in anderen Zelltypen, was auf einen neuronal-autonomen Mechanismus schließen lässt. Zusammenfassend lässt sich sagen, dass dieses Projekt unsere Identifizierung von KIF5A als neuartiges ALS-Gen durch molekulare Studien ergänzt und Einblicke in die Art und Weise bietet, wie ALS-verursachende Mutationen zu zellulären Defekten führen können.

Projektbezogene Publikationen (Auswahl)

 
 

Zusatzinformationen

Textvergrößerung und Kontrastanpassung