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Vergleich der Sprachideologien in der Sowjetunion und ausgewählten Nachfolgestaaten (Estland, Kasachstan, Ukraine, Russland) – Kontinuität, Brüche, Neuorientierungen

Fachliche Zuordnung Einzelsprachwissenschaften, Historische Linguistik
Förderung Förderung seit 2021
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 492769567
 
Die Entwicklungen der Sprachideologien in den Nachfolgestaaten der Sowjetunion offenbaren in den letzten Jahren intensive Veränderungen. Die sprachpolitische Wende und der Bruch mit der Ideologie der Gleichheit der Sprachen im multilingualen Russland im Jahr 2018 machen dies mehr als deutlich. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine legt weitere Entwicklungen von Sprachideologien offen. Das beantragte Fortsetzungsprojekt zielt darauf ab, die Auswirkungen von Konflikt und Gewalt, insbesondere in Form des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine, auf Sprachsituationen und Sprachideologien ausgewählter Nachfolgestaaten der UdSSR zu untersuchen, den unterschiedlichen Umgang mit dem sowjetischen Erbe in den Sprachsituationen nachzuzeichnen und so die Entwicklung ihrer Sprachideologien von der Sowjetunion bis heute in Bezug auf Kontinuität, Brüche und Neuorientierung zu analysieren. Bei diesem Antrag handelt es sich um einen Fortsetzungsantrag, der auf den Ergebnissen des Projektes „Vergleich der Sprachideologien in der Sowjetunion und der heutigen Russischen Föderation – Kontinuität, Brüche, Neuorientierungen“ aufbaut. Die bisherigen Ergebnisse lassen verschiedene Phasen und mehrere Schlüsselthemen von Sprachideologien erkennen. Die Ideologie des Russischen als "rodnoj jazyk" ist grundlegend. Weitere Themen sind: Die russische Sprache als Soft Power, als Faktor der nationalen Sicherheit, als einer der traditionellen Werte und, zuletzt in der Verfassungsänderung festgelegt, als "staatsbildender" Faktor. Viele der anderen Themen betreffen die "Russkij Mir"-Ideologie. Im Fortsetzungsprojekt bleibt die multilinguale RF weiter eine der Fallstudien – auf der Basis des bisherigen Projekts können wir uns auf die neuesten Entwicklungen konzentrieren. Um den Umgang mit dem sowjetischen Erbe in den Sprachsituationen offenlegen zu können, erweitern wir die Fallstudien um Estland, Kasachstan und die Ukraine. Die vier Fallstudien zeigen deutliche Unterschiede im Umgang mit dem sowjetischen Erbe, in den Auswirkungen des Angriffskriegs Russlands gegen die Ukraine auf die Sprachideologien und in den Entwicklungen im Umgang mit der globalen Sprache Englisch. Entsprechend wird das bisher erstellte umfangreiche triangulierte Korpus (offizielle Dokumente, sprachbezogene Expertendiskurse und öffentliche Diskurse) deutlich erweitert. Es werden leitfadengestützte Interviews für alle Fallstudien durchgeführt. In Bezug auf Datenanalysemethoden stützt sich das Projekt weiter auf Diskursanalysen zu Sprachideologien und auf konzeptionelle Zugänge in Form der Schlüsselthemen der Sprachideologien. Außerdem werden Analysen des Linguistic Landscaping und Methoden der multimodalen Diskursanalyse einbezogen. So zielt das Projekt durch den Vergleich der Sowjetunion mit ausgewählten ihrer Nachfolgestaaten darauf ab, die Fortführung, Umdeutung oder Rekontextualisierung von Sprachideologien auf der Grundlage einer Längsschnittuntersuchung offen zu legen.
DFG-Verfahren Sachbeihilfen
 
 

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