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Wissensarchitekturen: Kartierung von Strukturen jüdischer Kulturerbeprozesse auf kommunaler, organisatorischer und akademischer Ebene in Europa nach 1945

Fachliche Zuordnung Ethnologie und Europäische Ethnologie
Musikwissenschaften
Religionswissenschaft und Judaistik
Förderung Förderung seit 2022
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 496850477
 
Jüdisches Kulturerbe ist kein universelles und einheitliches Konzept. Vielmehr wird es stark von politischen, soziokulturellen und religiösen Strukturen beeinflusst und unterliegt Machtverhältnissen. Ziel des Projektes ist daher die Erfassung, Analyse und Dekolonisierung von „Wissensarchitekturen“, die die heterogenen Verständnisse jüdischen Erbes, dessen vielfältige Nutzungsformen (kommunal, akademisch, politisch, ideologisch etc.) sowie die unterschiedlichen Formen des Wissens über jüdisches Kulturerbe und die Weitergabe von jüdischem Kulturerbe strukturieren. „Wissensarchitektur“ wird dabei im weitesten Sinne als die Produktion, Identifizierung, Organisation und Bereitstellung von zerstreuten heterogenen Informationen über das, was als jüdisches Kulturerbe kategorisiert werden kann, verstanden. Wie jüdisches Kulturerbe und das Wissen darüber produziert, (re)konstruiert und weitergegeben wird, soll im Rahmen von jüdischen Gemeinden, von nationalen wie supranationalen Kulturerbe-Organisationen sowie von akademischen Strukturen untersucht werden. Das Projekt nimmt somit „Wissensarchitekten“ in den Blick, die in unterschiedlichen Kontexten Kulturerbe-Prozesse definieren und Anforderungen zur Schaffung, Erfassung und Organisation von sowie den Zugang und die Nutzung von Wissensbeständen zu jüdischem Erbe festlegen: Jüdische Gemeinden und Gruppen, Juden und Nichtjuden, die in Kulturerbe-Organisationen aktiv sind, judaisierende Milieus sowie jüdische und nichtjüdische Wissenschaftler, die das jüdische Erbe Europas erforschen, entscheiden in unterschiedlichen Kontexten über die Produktion, Verwaltung und Weitergabe des kulturellen Erbes europäischer Juden. Was als jüdisches (Kultur-)Erbe konstruiert wird, von wem und zu welchem Zweck und welche (Interessens-)Konflikte dabei entstehen, konstituiert die übergeordnete Forschungsfrage des Projektes.Das Projekt betrachtet jüdisches Kulturerbe (im-/materiell wie intellektuell) vor dem Hintergrund des Konzeptes der kulturellen Nachhaltigkeit. Jüdisches Kulturerbe wird demzufolge als lebendiges Konzept verstanden, das auf einem dynamischen Wechselverhältnis von Kontinuität und Wandel beruht sowie auf Aushandlungsprozessen von gegenwärtigen lokalen, translokalen und virtuellen europäischen jüdischen Gemeinden, Gruppen und Einzelpersonen (Stakeholdern) wie auch nichtjüdischen Akteuren. Beide, jüdische wie nichtjüdische Gruppen, empfinden eine „emotionale“ Verbindung zum jüdischen Kulturerbe und machen es als „ihr“ Erbe greifbar. Jüdisches Kulturerbe wird von diesen verschiedenen Gruppen aktiv und ständig produziert, neu geschaffen und an künftige Generationen weitergegeben.
DFG-Verfahren Schwerpunktprogramme
Internationaler Bezug Israel
ausländ. Mitantragstellerin Professorin Dr. Dani Kranz
 
 

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