Ethnische Segregation in deutschen Großstädten: Ein mehrdimensionaler Vergleich unter Berücksichtigung von Messproblematiken
Zusammenfassung der Projektergebnisse
Das Forschungsprojekt untersuchte erstmals systematisch die Ausprägung und Muster ethnisch-kultureller Segregation in deutschen Großstädten auf klein-, mittel- und großräumiger Ebene. Ethnische Segregation – also die ungleiche Verteilung von Menschen mit und ohne Einwanderungsgeschichte auf verschiedene Wohngebiete – gilt als Schlüsselfaktor für Integrationschancen und soziale Teilhabe. Bislang fehlten jedoch verlässliche Daten und Methoden, um das Ausmaß von Segregation stadtübergreifend und lebensnah zu messen. Das Projekt setzte deshalb auf ein innovatives multiskalares Verfahren, das es erlaubt, Segregation auf unterschiedlichen räumlichen Ebenen (von der Nachbarschaft bis zum Stadtteil) vergleichbar zu analysieren und typische Muster zu identifizieren. Datengrundlage war der Zensus 2011. Analysiert wurden 34 deutsche Großstädte, die nach Einwohnerzahl, Migrationsanteil und Arbeitslosenquote ausgewählt wurden. Die Ergebnisse zeigen: Segregation ist in Deutschland sehr unterschiedlich ausgeprägt und hängt weniger von der Stadtgröße ab als von historischen, wirtschaftlichen und siedlungsstrukturellen Faktoren. In wirtschaftlich starken Städten wie München oder Frankfurt ist Segregation gering, während sie in ostdeutschen Städten und im Ruhrgebiet – oft unabhängig vom Zugewandertenanteil – besonders hoch ausfällt. Die Studie widerlegt damit die Annahme, dass größere Städte zwangsläufig stärker segregiert sind. Die Befunde verdeutlichen, dass regionale Unterschiede, Stadtgeschichte und der Wohnungsmarkt entscheidend für die Entstehung und das Ausmaß von Segregation sind. Besonders deutlich wird dies in ostdeutschen Städten, wo historische Wohnstrukturen und die Verteilung von Geflüchteten zu hohen Segregationswerten führen. Die Ergebnisse liefern erstmals eine empirisch fundierte Typologie deutscher Städte und machen sichtbar, wo gezielte Maßnahmen zur Förderung von Integration und sozialer Mischung besonders notwendig sind. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Weiterentwicklung der sozialwissenschaftlichen Segregationsforschung. Die verwendete Methodik kann zukünftig auch für andere Städte und Fragestellungen genutzt werden, zum Beispiel um Veränderungen im Zeitverlauf (etwa auf Basis des Zensus 2022) zu analysieren oder Zusammenhänge zwischen sozialer und ethnischer Segregation genauer zu erfassen. Die Erkenntnisse sind für Stadtplanung, Politik und Gesellschaft gleichermaßen relevant, da sie helfen, Chancenungleichheiten besser zu erkennen und gezielt zu begegnen.
