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Rilkes Lektüren während des ersten Weltkrieges. Untersuchungen zum Rezeptionsverhalten. Ein Beitrag zur Zeitbegegnung des Dichters.

Antragstellerin Tina Simon
Fachliche Zuordnung Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Förderung Förderung von 2000 bis 2001
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5223582
 
Gegenstand der Arbeit ist der Dichter Rainer Maria Rilke als Leser. Im vorangestellten theoretischen Teil ist ein allgemeines Modell des individuellen Leserprofils entwickelt. Die folgenden Kapitel verhandeln Rilkes Leseverhalten im Zeitraum 1912-1920. Die über 1000 Erwähnungen von Lektüren in Rilkes Briefen im o.g. Zeitraum belegen den einzigartigen Stellenwert, sowie die besondere Art und Funktion der Lektürespiegelung. Für Rilke ist Lektüre Erfahrungsmedium und Lebenskontinuität, Bücher sind andererseits während der Kriegszeit mittelbare Erfahrung als Ersatz für die durch die Kriegsgegenwart ihm verfremdet erscheinende unmittelbare. Die brieflichen Erörterungen ermöglichen Einblicke in seine Prädisposition zu einzelnen Lektürebereichen, die innerhalb der Kapitel thematisiert sind. Sie kennzeichnen Vorstellungen wie die vom Wesen des Weiblichen, von der Position der Frau als Künstlerin, zeigen ein am Welt-Ganzen orientiertes, ahistorisches Geschichtsbild, ein produktives Verhältnis zu Fremde, eine Polarisierung von Literatur und Journalismus und einen eklektischen Umgang mit Naturwissenschaften. Die erstmals zusammengetragenen und ausgewerteten Buch- und Manuskriptgutachten, die Rilke als Kritiker und Lektor verfaßt, machen seine Bewertungskategorien für Literatur einsehbar. Das abschließend dargelegte Leserprofil Rilkes zeigt einerseits ein angeeignetes Selektionsprinzip und macht Richtungen der Selektion nachvollziehbar. Andererseits betont sein besonderer Anspruch der Zeit-Bezogenheit von Kunst ihre notwendig universelle, von Rezeptionszeit und -raum unabhängige Geltung.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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