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Deutsch-Französische Dritte-Weg-Diskurse. Personalistische Intellektuellendebatten der Zwischenkriegszeit

Fachliche Zuordnung Europäische und Amerikanische Literatur- und Kulturwissenschaften
Förderung Förderung von 2000 bis 2001
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5225402
 
Schienen nach 1989/90 die Zeichen kurze Zeit auf eine unipolare McWorld gestellt, so werden inzwischen die Rufe nach dritten Wegen wieder vernehmbar. Während entsprechende Konzepte von Giddens und Beck entschärft wirken, machen sich in Frankreich ausgesprochen scharfe Versionen breit. Die Suche nach dritten Wegen jenseits der amerikanischen und der zentralistisch-planerischen Moderne hat nun eine weitgehend unbekannte schillernde Vorgeschichte im deutsch-französischen Wissenstransfer der Zwischenkriegszeit. Mit der Analyse von Intellektuellengruppen, Zeitschriften und vor allem der "Anschlußstellen" in den antiliberalen Diskursen deutscher und französischer Intellektueller lassen sich fünf grenzüberschreitende dritte Wege identifizieren: gemeinschaftlicher Personalismus (Scheler, Landsberg und "Esprit"), förderalistischer Personalismus (Rosenstock und "L'Ordre Nouveau"), nationale Revolution (Tat-Gruppe, Jeune Droite), Planismus (de Man, "révolution constructive"), anarchistisch-surrealistische Revolution ("Gegner", collège de sociologie).Eine besondere Aufmerksamkeit gilt dem anti-utilitaristischen Gabe-Denken. Die Vertreter der dritten Wege können Kollaborateure antidemokratischer Strömungen werden, aber auch sich in der Résistance engagieren. Sie setzen in Frankreich die voluntaristische Modernisierung nach 1945 durch und prägen die Europäische Integration. An der Unentschiedenheit wird festgehalten: obwohl die dritten Wege ein Gefahrenpotential in sich bergen, kommt mit ihnen auch ein legitimer Anspruch zu Wort, eine nicht-liberale "Kulturgrammatik" beim Aufbau geschichtsträchtiger Gesellschaften zur Geltung zu bringen.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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