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Heil und Heilung bei Teresa von Ávila. Beiträge zu ihrer Anthropologie aus medizinhistorischer Sicht. Die Würde des Leibes. Heil und Heilung bei Teresa von Avila

Antragstellerin Britta Anne Souvignier
Fachliche Zuordnung Wissenschaftsgeschichte
Förderung Förderung von 2000 bis 2001
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5306140
 
Die vorliegende Arbeit befaßt sich mit der Anthropologie der spanischen Mystikerin Teresa von Ávila (1515-1582), wie sie sich unter dem besonderen Aspekt ihrer Haltung zum Menschen in seiner leiblich-irdischen Existenz mit ihrer Begrenztheit durch Leiden und Tod darbietet. Dabei ergibt sich zugleich ein Blick auf die frühneuzeitliche Medizin im Spanien des 16. Jahrhunderts. Durch eigene Erfahrung hinreichend mit den Realitäten von Leiden und Tod vertraut, intelligent, konktaktfreudig und als Gründerin und Begleiterin ihrer kontemplativen Reformklöster auch für die praktischen Lebensumstände ihrer Gemeinschaften verantwortlich, eignet sie sich umfassende Kenntnisse der Medizin ihrer Zeit an. Auf dieser Grundlage gibt sie Anweisungen für den Umgang mit der Leiblichkeit, die sowohl von einer nüchternen und wohlwollenden Akzeptanz als auch einem gewissen Mißtrauen gegenüber leiblichen Bedürfnissen geprägt sind, da ihr zufolge übermäßige Rücksicht auf den Leib den Fortschritt der Seele behindern könne. Ihre eigenen mystischen Gebetserfahrungen beziehen den Bereich des Leiblichen ein; so wird der irdische Leib zum Ort der Begegnung mit dem Göttlichen. Leiden und Tod deutet Teresa überwiegend im Horizont eines seelischen Fortschritts und der Möglichkeit zur Gottesbegegnung; die Aspekte von Strafe und Gericht treten demgegenüber zurück. Körperliche Integrität und religiöses Heil ergänzen einander in ihrer Sicht. Gott als Freund der Lebenden wolle das Wohlergehen des Menschen in allen Lebensbereichen. Durch die Inkarnation habe er gar selbst Leiden und Tod auf sich genommen und die menschliche Existenz so erlöst. Gottes Schöpfungsetat und seine Zuwendung in der Inkarnation verleihen dem Menschen seinen hohen Rang. Teresa nimmt Pflege und Erhaltung des irdischen Leibes wichtig, weil er für sie den Ausdruck der göttlichen Schöpfungstat, den Ort der eigenen Begegnung mit dem Göttlichen in der mystischen Gebetserfahrung und das "Substrat" der Menschwerdung darstellt.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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