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Verkehr. Beiträge zu einer poetischen Theorie der Moderne

Fachliche Zuordnung Germanistische Literatur- und Kulturwissenschaften (Neuere deutsche Literatur)
Förderung Förderung von 2002 bis 2003
Projektkennung Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5359426
 
Baudelaire hatte die zivilhistorische und ästhetische Moderne als flüchtig, transitorisch und kontingent charakterisiert. Alle drei Merkmale verdichten sich im Vorstellungsbild "Verkehr". Ich fasse die Zirkulation der menschlichen Körper und ihrer Transportgeräte als zentrale Wahrnehmungsfigur der Moderne auf, die auf dem Asphalt der europäischen Großstadtstraßen das Interesse von Literaten, Soziologen, Kulturtheoretikern findet. Die Manisfestationen des kontingenten Gewimmels auf Straßen und Plätzen lassen sich der von Musil und Siegfried Kracauer geschöpften Denkfigur der OBERFLÄCHE einschreiben: Ebenso wie die neuen Formen der Massenunterhaltung (z.B. Kino, Revue, Reklame) ist das alltägliche Erleben der Turbulenz auf dem Straßenpflaster unwesentlich, aber gerade die unwesentlichen Teile der Lebenswelt dezentrieren die alteuropäischen "Ideokratien" (Musil) und revolutionieren die Künste. In zahlreichen Texten der futuristischen und expressionistischen Avantgarden repräsentiert der Straßenverkehr metonymisch die mentale und soziale Delokalisierung. In den neusachlichen Romanen der späten Weimarer Republik erfährt das Wahrnehmungsmuster "Verkehr" seine Klimax: War der Fort-Schritt bis hin zum Futurismus ein (elitärer) Pfeil, so gerinnt der massenhafte Verkehr ab 1930 zu Imaginationen eines leerlaufenden, sich selbst genügenden Kreisverkehrs.
DFG-Verfahren Publikationsbeihilfen
 
 

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