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Die Funktion des Ornamentalen. Kommunikationstheoretische Überlegungen zum Ornament als Zeitform
Antragstellerin
Katia Glaser
Fachliche Zuordnung
Kunstgeschichte
Förderung
Förderung von 2002 bis 2003
Projektkennung
Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - Projektnummer 5368602
Im Anschluß an die kunsthistorischen Überlegungen Theodor Hetzers, der das Ornamentale, als modernes "Bildmotiv", anhand von kompositorischen Veränderungen der Renaissancemalerei von dem antiken Ornament unterschieden hat, und im Zuge der systemtheoretischen Neubeschreibung der Kunst, die ihren Formbegriff aus der vorlogischen Differenztheorie von Spencer Brown bezieht, kann das Ornamentale als Zeitform explizit gemacht und die kommunikationstheoretische Kernthese dieser Arbeit formuliert werden. Das Ornamentale unterschiedet sich vom Ornament durch seine grundlegende Zeitlichkeit und muß als Zeitform, genauer, als Koppelungsereignis zwischen Medium und Form begriffen werden. Mit dieser Neubeschreibung tendiert die Theoretisierung des Ornaments zu dessen Operationalisierung. Schon an den stilgeschichtlichen Studien Alois Riegls wird deutlich, daß das Ornament eine quasi-katalytische Funktion erfüllt, denn es ist in seinen Transformationen 'automorph' an Formentwicklungen beteiligt. So dient es nicht nur als spielerische Vorentwicklung, als "preadaptive advance", sondern das Ornamentale zeichnet die Kunstkommunikation als einen Sonderkontext aus, in dem soziale Veränderungen über Wahrnehmung kommuniziert und ausprobiert werden. Das führt zu der evolutionstheoretischen These: Die Funktion des Ornamentalen entwickelt und erweitert sich von der innerästhetischen Formenartikulation zur Leistungswirkung einer sozio-ästhetischen Formenkombinatorik. Deshalb kann Niklas Luhmann sagen: Kunst führ Paradigmen für die Polykontexturalität der modernen Gesellschaft vor. Das Ornamentale erlaubt eine kommunikationstheoretische Beschreibung aktueller und insbesondere ephemerer Kunstformen. ...
DFG-Verfahren
Publikationsbeihilfen
